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Hanf-Anbau auf dem Bio-Hof: Beschuldigter outet sich

bc. Oederquart. Diese Meldung verbreitete sich in der vergangenen Woche wie ein Lauffeuer. 130 Cannabis-Pflanzen stellten Polizeikräfte auf einem Hof in Oederquart (Nordkehdingen) sicher. Wie berichtet, laufen derzeit Ermittlungen gegen einen 58-jährigen Mann aus dem Landkreis Cuxhaven sowie gegen ein Ehepaar aus Oederquart wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Vor wenigen Tagen meldete sich der 71-jährige beschuldigte Ehemann in der WOCHENBLATT-Redaktion - kein Unbekannter im Landkreis Stade.
Georg Ramm, ehemaliger ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter des Landkreises Stade und heute aktives Mitglied der Umweltschutz-Organisationen NABU und BUND, geht offensiv mit den Anschuldigungen um: „Ja, ich habe eine Straftat begangen. Das war mir klar. Aber ich bereue sie nicht.“ Er habe den Hanf-Anbau auf seinem Bio-Hof zugelassen, indem er eine Fläche für einen Geschäftspartner zur Verfügung stellte.
Der habe mit dem Produkt einen begrenzten Kreis von Bürgern versorgt, die sich den regelmäßigen Genuss von Cannabis gönnten, schreibt Ramm dem WOCHENBLATT. Es sei keine Ausweitung des Anbaus in kommerziellen Größenordnungen zu erwarten gewesen. „Wir sahen den Hofanbau als Beitrag zu einem maßvollen, sauberen Umgang mit der Droge.“
In der Medizin beginne bereits ein Umdenken, was die Anwendung von Cannabis bei Schmerz verursachenden Krankheiten angehe. Der Missbrauch von Cannabis liege - wie beim Alkohol - in der individuellen Anwendung, so Ramm weiter.
Die Diskussion, Cannabis für bestimmte Bereiche zu legalisieren, ist nicht neu, derzeit aber wieder hochaktuell. Stichwort Bundestagswahlkampf. Die Grünen, die Linkspartei sowie die Piraten sprechen sich für eine Legalisierung aus. Aber auch innerhalb der SPD und FDP gibt es Abgeordnete, die nicht an der Kriminalisierung von Konsumenten festhalten wollen und für eine kontrollierte Abgabe plädieren. Ramm: „Bezüglich Hanf sollte die Politik schnellstens eine bedarfs- und gerechtigkeitsbezogene Lösung durchsetzen.“
Klar scheint aber auch: Georg Ramms Handeln geht derzeit kaum konform mit der aktuellen Gesetzeslage. Inwiefern ihm eine Mittäterschaft oder Beihilfe nachgewiesen werden kann, ist unklar. Bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz schwankt das Strafmaß erheblich und ist in erster Linie abhängig von der Menge. Mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr wird bestraft, sofern eine sogenannte „nicht geringe Menge“ erreicht ist.
Die Ermittlungen seitens der Polizei gegen Ramm und die anderen Verdächtigen dauern an.