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Has' und Igel als Patchworkfamilie

Buxtehude hat doch echt Potential: Bauen wir die Stadt einfach um, so dass für jeden Touristen-Geschmack das Passende dabei!

tk. Buxtehude. Ein Mann spaziert durch Buxtehude. Er schreibt darüber. Nicht irgendwo, sondern in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Der Autor ist kein Unbekannter. Bernd Eilert schreibt auch Gags für Otto Waalkes. Die Frage, wie unterhaltsam er Buxtehude fandt, lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit beantworten. Es muss für ihn schlimmere Städte geben: etwa Delmenhorst.

Der Buxtehuder Lokalpatriot stößt dennoch spitze Schmerzensschreie aus: Das Hotel schmucklos, karnickelhaft vermehrte Has'- und Igelfiguren, Billigläden an der Bahnhofstraße, die Petri-Kirchturmspitze im Verhältnis zum Unterbau zu schmächtig. Schmächtig ist das richtige Stichwort. Der sogenannte touristische Masterplan, der gegenwärtig von Politik und Verwaltung entwickelt wird, ist genau das: schmächtig, schmalbrüstig. Selbst klotzen ist noch zu wenig. Wir bauen die Stadt um. Anschließend ist für jeden etwas dabei: japanische Besuchermassen, kulturverliebte Besserverdiener und hartgesottene Disney-Fans - alle kommen auf ihre Kosten. Der WOCHENBLATT-Masterplan:

Die Bahnhofstraße wird zur "Has- und Igel-Meile, für den Verkehr gesperrt. Stündlich marschieren Cheerleader in Plüschkostümen auf und ab, vor dem Stadthaus löst sich eine Has'- und Igelwache ab und die Spielotheken werden geräumt. Stattdessen gibt es dort billigen Souvenirkitsch. Vorteil: Wer auf so etwas abfährt, bemerkt die Bausünden der Vergangenheit nicht mehr.

Opfer müssen sein: Der Stadtpark wird abgeholzt. Dort entsteht ein neues Hotel, fünf Sterne mindestens, erbaut im Zuckerbäckerstil. Das Hallenbad "Aquarella" wird für die Allgemeinheit geschlossen und zum "Buxte Spa". Das historische Rathaus wird eine Hotel-Dependance, der altehrwürdige Raatssaal die "Bürgermeister Loft", Preis pro Nacht nicht unter 2.000 Euro.

West- und Ostfleth, Abt- und Kirchenstraße bieten Potenzial: Was optisch dennoch stört weicht Neubauten im Mittelalterstil. Dieser Altstadtbereich wird in "Hanseviertel" umgetauft. Klare Bestimmungen regeln, welche Geschäfte überhaupt öffnen dürfen. Entscheidungsgrundlage: Erstens teuer, zweitens überflüssig, durchmischt mit intellektuellen Shopping-Häppchen aus Buchladen und Antiquariat, garniert mit exotischen Leckereien und handgefertigten Pralinen.

Der Clou des Plans: Buxtehude gräbt dem Alten Land die Besucher ab. Ein Altländer-Hof mit Mini-Obstplantagen entsteht. Und zwar überdacht, sodass auch im Winter die Besuchergruppen Äpfel ernten können, die nachts von 400-Euro-Kräften an die Bäume getackert werden. Als Standort bietet sich der Stavenort an. Der ist zwar höchst reizvoll, aber leider klinisch tot. Also weg damit und Platz für Neues schaffen.

Tabus darf es keine geben: Wir schreiben die Has'- und Igelfabel um. Autor Eilert stört sich seit Kindesbeinen an der seiner Meinung nach unangemessen harten Bestrafung des Hasen. Im Original krepiert das Tier auf der Heide. In der neuen Version wird der Hase von einer alleinerziehenden Igelin kurz vor seinem Exitus angesprochen. Der Hase bricht das hoffnungslose Rennen ab und lebt fortan glücklich in einer Patchworkfamilie. Ist das nicht schön?