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Hotels fürchten Konkurrenz

Private Zimmervermieter, die online Übernachtungen anbieten, bewegen sich oft in einer Grauzone (Foto: Fotolia - Zerbor)
Hotel- und Gaststättenverband fordert stärkere Kontrollen bei privater Zimmervermittlung im Internet

(bc). Günstig Urlaub machen - vielleicht sogar mit Familienanschluss: Online-Zimmervermietungsportale boomen, schreiben hohe zweistellige Wachstumraten. Viele Hoteliers sind in Alarmstimmung, machen sich Sorgen angesichts der Konkurrenz. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) nimmt Stellung. Er kritisiert Wettbewerbsverzerrung.
Vor allem in den Metropolen, aber auch im Umland wollen immer mehr Privatleute vom Tourismus profitieren - ohne viele gesetzliche Auflagen erfüllen zu müssen. "Dieser Sektor wird wachsen, wenn weiter nicht kontrolliert wird. Wehret den Anfängen", sagt Renate Mitulla, Dehoga-Geschäftsführerin im Landesverband Niedersachsen.
Das Online-Portal Airbnb ist einer der Marktführer auf dem Gebiet des "Home-Sharings". In fast jeder Kommune in den Landkreisen Harburg und Stade vermieten Privatleute über Airbnb günstige Zimmer oder kleine Apartments an Übernachtungsgäste. Tendenz steigend. Allein in der engen Stader Altstadt findet man mehr als zehn Anbieter.
Zum Vergleich eine Zahl aus Hamburg: Die Gesellschaft für Beteiligungen und Immobilienentwicklung (GBI) hat ermittelt, dass über Online-Portale ungefähr zwei Millionen private Übernachtungen in der Hansestadt in 2015 gebucht wurden.
Der Dehoga kritisiert nicht generell andere Übernachtungsformen, die für bestimmte Zielgruppen gute Alternativen seien, allerdings müsse sichergestellt sein, dass vor dem Gesetz alle gleich behandelt werden und es klare Regeln gebe, so Mitulla.
Das Beherbergungsgewerbe müsse hohe Auflagen vom Brandschutz über Gez, Gema bis zur Hygiene erfüllen, müsse Kurtaxe von seinen Gästen einfordern und an den Staat weiterleiten, werde gezwungen, Bettensteuer zu zahlen und möglicherweise auch bald eine Tourismusabgabe. Private Anbieter seien dagegen häufig gar nicht bei den Behörden registriert, geschweige denn geben sie ihre Einkünfte bei der Steuererklärung an. "Eine Grauzone, die nur schwer zu kontrollieren ist", so Mitulla.
Ganz abgesehen davon, dass zudem oftmals Wohnraum zweckentfremdet werde. Airbnb schiebe diesbezüglich die Verantwortung über ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen an die Vermieter weiter, die sich die entsprechenden Genehmigungen besorgen müssten.
Thomas Cordes ist Hotelier in vierter Generation in der Gemeinde Rosengarten und Vorsitzender im Dehoga-Kreisverband Landkreis Harburg. Ihn beunruhigen Zahlen wie zwei Millionen private Übernachtungen in Hamburg im vergangenen Jahr. "Wir leben sehr von Hamburg", sagt Thomas Cordes. Spürbare Einbrüche bei den Buchungen habe er aber noch nicht bemerkt.
Lutz Feldtmann, Dehoga-Kreisvorsitzender im Landkreis Stade und Vorsitzender der Fachgruppe Hotel im Landesverband, findet, dass der Wettbewerb nicht mehr auf Augenhöhe stattfinde, weil es unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen gebe. Aus der einstigen studentischen Idee, günstige Unterkünfte für Geringverdiener zu vermitteln, sei eine riesige touristische Schattenwirtschaft geworden. Das Problem sei vor allem eines in Großstädten, verschiebe sich aber Schritt für Schritt in Kleinstädte.
Das WOCHENBLATT hat auch bei "Airbnb" nachgefragt. Bis Redaktionsschluss kam leider keine Antwort. In anderen Medien sprach ein deutscher Sprecher des kalifornischen Unternehmens jüngst davon, dass der überwiegende Teil der Airbnb-Gastgeber in Deutschland Privatpersonen seien, die ihre Wohnung mit Gästen aus aller Welt teilen. Die würden sich lediglich ein Taschengeld dazuverdienen. Im Schnitt rund 1.800 Euro im Jahr.
Der Dehoga versucht derzeit, die Entwicklung des "Home-Sharings" stärker in die politische Diskussion einzubringen.