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"Ja, uns Buxtehuder gibt es wirklich!"

So scheinen sich viele Süd- und Ostdeutsche Buxtehude vorzustellen: ein Dorf am „Ende der Welt“! Dabei sind die Buxtehuder so stolz auf ihren Titel Hansestadt (Foto: Montage MSR/Fotolia/Powell83)
bc. Buxtehude. Jean Zimmer, ein 21-jähriger Außenverteidiger des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, hat Buxtehude bundesweit ein wenig bekannter gemacht - ohne es zu wissen. In der Sportsendung „Flutlicht“ im SWR-Fernsehen antwortete er auf die Frage, ob ihn seine Eltern bei der Ausübung seiner Sportart unterstützt hätten: „Ja, mein Vater hat mich immer zu jedem Sportplatz nach Buxtehude gefahren.“

Schöner wäre es natürlich gewesen, wenn der Kicker damit tatsächlich die 40.000-Einwohnerstadt an der Este gemeint und Buxtehude nicht als Synonym für irgendein unbedeutendes, langweiliges Provinznest benutzt hätte. Das ergab nämlich die zugegebenermaßen leicht naive Anfrage der WOCHENBLATT-Redaktion bei der Pressestelle des Fußballvereins: „Wie jetzt? Buxtehude gibt es wirklich? Das wäre mir neu. Bei uns in der Pfalz ist das ein feststehender Begriff“, kicherte eine Mitarbeitern des FCK hörbar amüsiert in den Hörer. Ähnlich wie Hintertupfingen oder Kleinkleckersdorf.

Mit dem feinen Unterschied, dass diese Ortschaften reine Fantasienamen sind. Buxtehude ist dagegen ein real existierender Ort, der noch nicht einmal besonders klein ist.

Ein Forscherteam aus Salzburg und Lüttich hat sich der Thematik angenommen und die deutsche Alltagssprache in einem Atlas kartiert. Demnach wird Buxtehude in Teilen von Rheinland-Pfalz, im Saarland sowie in Landstrichen in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalten, Brandenburg und Franken als Synonym für ein Dorf benutzt, das fernab auf dem Land liegt.

Dabei teilt sich Buxtehude das Schicksal mit Posemuckel. Das polnische Dorf ist ebenfalls real existent und wird gerne im Westen Deutschlands in einem Atemzug mit tiefer Provinz verwendet.

Wieso Buxtehude dieser zweifelhafte Ruhm zuteil wurde, ist im Detail ungeklärt. Fachleute sind sich aber einig, dass der Stadtname durchaus kostbar sein kann. Der bekannte Buxtehuder Kulturförderer Dieter Klar meint: „Der Name ist Gold wert und unbezahlbar.“

Claudia Richardt vom „Stadtmarketing Buxtehude“ schlägt in die gleiche Kerbe: „Es ist richtig: Man könnte eine richtige Kampagne fahren. Nach dem Motto: Uns gibt es wirklich.“ Den Spruch „dann geh doch nach Buxtehude“ habe sie gerade erst wieder in jüngerer Vergangenheit öfter gehört.

Vielleicht findet sich ja ein Werbeprofi, der die zündende Idee besitzt, wie Buxtehude nicht nur als Synonym für „Provinznest“ bundesweit bekannt wird, sondern auch als malerisches Städtchen am Rande des Alten Landes.