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Jäger und die Schweinepest: "Wir sehen uns nicht in einem Ausrottungsfeldzug gegen Wildschweine"

Die Politik denkt intensiv über Abschussprämien nach (Foto: archiv)
(bc). Jäger, die neuen Schädlingsbekämpfer? Aus Angst, die Afrikanische Schweinepest (ASP) könnte sich auch in Deutschland ausbreiten, werden immer mehr Forderungen an die Jägerschaft laut. So soll möglichst 70 Prozent des Wildschwein-Bestandes in Deutschland liquidiert werden. Auf Deutsch: Jäger müssten sich an Massentötungen beteiligen. Wie sehen das die Waidmänner?

Im Landkreis Harburg gibt es einen hohen Schwarzwild-Bestand. Pro Saison schießen die Jäger in der Regel 1.600 bis 1.800 Schwarzkittel. Viel mehr als im Landkreis Stade, wo es nur ungefähr 400 sind. Zum Vergleich: Alleine im Hegering Tostedt wurde die Zahl der getöteten Wildschweine von der Jagdsaison 2016/17 mit ca. 500 Tieren auf rund 600 in der aktuell laufenden Saison 2017/18 gesteigert. Das Jagdjahr geht noch bis Ende März.

Norbert Leben ist im Landkreis Harburg Kreisjägermeister. Er sagt: „Im Zuge der ASP haben wir Jäger eine Verantwortung, der wir uns stellen sollten. Wir können nicht sagen: Das geht uns nichts an.“ Eine Ausweitung der Bejagung, um einen gesamtwirtschaftlichen Schaden zu vermeiden - infizieren sich Hausschweine, drohen der Fleischindustrie Milliarden-Verluste - sei alternativlos. Eine intensivere Bejagung müsste aber mit Sinn und Verstand geschehen, so Norbert Leben.

Erste Maßnahmen seien bereits eingeleitet worden, wie die Aufhebung der Schonzeit seit Anfang Februar. Weitere sind geplant. So steht z.B. in Niedersachsen eine Abschussprämie von 50 Euro für jedes zusätzlich erlegte Schwein im Raum, ebenso wie die Aufhebung weiterer Verbote im Jagdgesetz. Diskutiert wird über den Einsatz von Nachtzielgeräten oder das Anlocken der Tiere über Futter-Fallen.

Im Mittelpunkt muss für Norbert Leben aber weiterhin der Tierschutz stehen. Er nennt ein Beispiel: „Wir dürfen natürlich nicht den Frischlingen die Mutter wegschießen. Das wäre unethisch und eine tierschutz-rechtliche Katastrophe“, so Leben.

Ähnlich sieht es sein Kollege im Landkreis Stade. Dr. Martin Wenzel ist Vorsitzender der Jägerschaft. Er sagt: „Die Jäger stellen sich der Aufgabe, bei den Präventionsmaßnahmen gegen die ASP mitzuwirken.“ Aber: Auch Landwirte als mögliche Hauptbetroffene bei einem Ausbruch müssten mithelfen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Wildschweine auch in der Hauptvegetationsperiode von Mai bis Oktober bejagbar seien.

„Dazu müssen Bejagungsschneisen in großen Maisfeldern angelegt werden, da sich das Schwarzwild hier ein halbes Jahr lang dem Zugriff der Jäger vollständig entziehen kann“, so Wenzel.Die Jägerschaft sehe sich aktuell nicht in einem Ausrottungsfeldzug gegen die Wildschweine. Schwarzwildjagd sei bislang schon intensiv betrieben worden. Die geforderte Reduzierung der Wildschweinbestände um 70 Prozent sei mit jagdlichen Mitteln unter Berücksichtigung der Waidgerechtigkeit überhaupt nicht möglich, so Wenzel.

Kritik äußert er an einem möglichen (aber derzeit noch nicht vorgesehenen) Einsatz von künstlichen Lichtquellen oder Nachtzieltechnik, der im Bedarfsfall per Erlass vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium erlaubt werden könnte. Wildschweine würden sich schnell auf die neue Technik einstellen, eine Bejagung werde dadurch nicht effektiver. Andererseits sagt Wenzel auch: „Die generelle Erlaubnis zur Verwendung von Schallminderern wäre schon aus Gründen des Gesundheitsschutzes zu begrüßen.“

• Das ASP-Virus rückt von Polen immer näher an die deutsche Grenze heran. Infizierte Schweine wurden bereits im Warschauer Raum entdeckt. Das Virus ist bis zu 18 Monate in Knochen von verendeten Tieren und bis zu sechs Jahre in gefrorenem Fleisch überlebensfähig. Auf den Menschen übertragbar ist das Virus nicht. Trotzdem darf das Fleisch infizierter Tiere nicht verkauft werden. 


"Neue Jagdmethoden sind abzulehnen"

(bc). Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz nimmt angesichts der Debatte um eine verschärfte Bejagung der Wildschweine Stellung.
Die diskutierten Jagdmethoden seien entschieden abzulehnen: „Bei der Jagd auf Wildschweine müssen alle tangierenden Rechtsvorschriften - Jagdrecht, Tierschutzrecht, Natur- und Artenschutzrecht, Tierseuchenrecht - beachtet werden. Die Afrikanische Schweinepest darf nicht als Ausrede dafür dienen, alle Gebote des Tierschutzes und der Waidgerechtigkeit zu missachten“, heißt es in einer Pressemitteilung.


Verzicht auf Gebühren


(bc). Die Landkreis-Verwaltungen in Stade und Winsen wollen die Jäger unterstützen und erlassen ihnen vorübergehend die Kosten für die Trichinen-Untersuchung bei erlegten Wildschweinen - sozusagen als Anreiz für eine verstärkte Bejagung. So fallen normalerweise im Landkreis Stade pro Probe 4,95 Euro an. 2017 wurden 710 Trichinen-Untersuchungen durchgeführt, die Gebühren-Einnahmen beliefen sich auf rund 3.500 Euro. Die Untersuchung ist lebensmittelrechtlich vorgeschrieben, wenn das Schweinefleisch dem menschlichen Verzehr dienen soll.