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Jürgen Flimm: Ein Wandler zwischen den Welten

Jürgen Flimm, Intendant an der Berliner Staatsoper (Foto: Hermann und Clärchen Baus)
bc. Hamelwörden. In der Woche die wuselige, hektische Millionen-Metropole Berlin, am Wochenende das einsame, verträumte Kehdinger Land. Jürgen Flimm ist ein Wandler zwischen den Welten. Einer der renommiertesten Kulturschaffenden der Republik arbeitet auch mit 75 Jahren noch mit Hochdruck an seinem Lebenswerk. Als Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden feiert er am heutigen Samstag mit seinem Ensemble große Premiere: „La damnation de Faust“.
Ruhe nach dem Sturm findet Jürgen Flimm erst danach wieder in seinem historischen Ratshof in Hamelwörden. „Ich freue mich schon wieder auf lange Spaziergänge an der Elbe“, erzählt er dem WOCHENBLATT-Redakteur, der ihn am Dienstag zwischen zwei Proben erwischt.
Wie berichtet, landete Jürgen Flimm erst vor wenigen Tagen mit der teuren Dachsanierung seines Hofes in den Zeitungen. Mit Hilfe von Fördergeldern wird die denkmalgeschützte Anlage im Zentrum von Hamelwörden im Sommer renoviert. Bald hat Flimm dann auch mehr Muße für seinen Ratshof: „Im Frühjahr höre ich als Intendant auf. Dann kann ich dort mehr Zeit verbringen.“
Anfang der 1990er Jahre kaufte er das Anwesen, seinen Hauptwohnsitz verlegte er aber erst vor sieben Jahren nach Kehdingen. Aufmerksame Dorfbewohner werden Jürgen Flimm schon des Öfteren auf dem Drahtesel oder auch auf dem Rücken seines Pferdes beobachtet haben. „Ich liebe es, wenn mir die Meeresbrise um die Nase weht.“
Stress hat er in seinem Beruf schon genug. Seit 2010 ist er Intendant an der Staatsoper, die derzeit aufgrund von Sanierungsarbeiten im Schillertheater untergebracht ist. Flimms berufliche Karriere als Regisseur, Schauspieler, Intendant und Hochschullehrer in wenigen Sätzen zusammenzufassen, ist unmöglich.
Er begann 1968 als Regieassistent an den Münchner Kammerspielen, von 1985 bis 2000 war er Intendant am Thalia Theater in Hamburg, von 2006 bis 2010 leitete Jürgen Flimm die Salzburger Festspiele. Interessant auch: Als TV-Regisseur war Flimm in zwei Folgen der Serie „Ein Herz und eine Seele“ tätig. Als Darsteller wirkte er in verschiedenen Produktionen mit, beispielsweise in zwei „Tatort“-Episoden. Die Zeiten vor der Kamera sind aber schon lange vorbei.
Wenn er im Frühjahr nun auch den Intendanten-Job an den Nagel hängt, heißt das aber nicht, dass sich Jürgen Flimm komplett zur Ruhe setzt. Als freier Regisseur an Opernbühnen will er weiter tätig sein. Die Hauptsache ist, dass er noch genügend Zeit finden, sich um seine Tiere zu kümmern. Seine zwölf Hühner werden es ihm danken.