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Kampf gegen erzwungene Betreuung gewonnen

tk. Buxtehude. Katja* (54) hat nicht aufgegeben: "Es ist ein Bürgerrecht, sich um seine eigenen Angelegenheiten auch selbst zu kümmern", sagt sie. Über die Frau aus Buxtehude, die psychisch krank ist, hatte das WOCHENBLATT vor einigen Monaten berichtet. Katja wehrte sich vehement dagegen, unter Betreuung gestellt zu werden. Jetzt hat sie vor Gericht erreicht, dass das Verfahren endet, ohne dass ihr die Selbstständigkeit genommen wird. "Die Betreuung wird aufgehoben" ist der entscheidende Satz aus der Begründung des Beschlusses, der Katja die volle Selbstbestimmung zurück gibt.

Seit mehr als 30 Jahren leidet Katja unter einer so Erkranung, die in den Bereich der Schizophrenie gehört. Sie leugnet ihre Krankheit nicht. Katja ist aus eigenem Wunsch schon mehrfach stationär in der Psychatrie gewesen. "Mit meiner Krankheit komme ich klar", hatte sie im Mai gesagt.

"Auch Menschen können sich irren"

Das hatte ein Psychiater als Gutachter im Verfahren ganz anders gesehen. Sie sei zur Willens- und Urteilsbildung nicht mehr in der Lage und habe ihr Kritik- und Einsichtsvermögen verloren. "Die Richterin folgte einfach dem Gutachten und hatte sich keine eigene Meinung gebildet", sagt Katja über die erste Verhandlung, die mit der Betreuungsverfügung endete.
Katja, die als Buchhalterin gearbeitet und neun Semester Jura studiert hat, ist eine Kämpfernatur. "Das lasse ich nicht mit mir machen", war ihr Leitsatz. Bei der neuerlichen Verhandlung, so steht es in den Papieren des Gerichts, habe sie glaubhaft angegeben, die Digne selbst regeln zu können." Ein Satz ist dabei bemerkentswert: Die Annahme, dass sich die Krankheit verändern oder verschlimmern könne, rechtfertige nicht, dass jederzeit eine Betreuung verfügt werde.
"Menschen können sich irren", zieht Katja als Bilanz der vergangenen Monate. Für Schicksalsgenossen, die mit dem selben Problem kämpfen, hat sie den Rat: "Nie an sich selbst zweifeln."
Die Frage, wer unter welchem Umständen betreut wird oder werden muss, ist ein wachsendes gesellschaftliches Problem: Die Zahl der Betreuungsverfahren ist zum Ende des Jahres 2011 auf 1.319.361 und somit um 0,40 Prozent (5.310 Personen) angestiegen (Quelle: Wikipedia).