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Kreisverwaltung: Kampf um gutes Personal

Die Personalgewinnung im Kreishaus ist mittlerweile eine große Herausforderung (Foto: bc)
bc. Stade. Techniker, Ärzte, Ingenieure, Verwaltungsleute - woher nehmen, wenn nicht stehlen? Diese Frage müssen sich Kommunalverwaltungen in ganz Deutschland immer häufiger stellen. Besonders schwer fällt es dem öffentlichen Sektor, junge Fach- und Führungskräfte für sich zu gewinnen. Die Privatwirtschaft scheint ein fast übermächtiger Konkurrent zu sein.
„Die Zeiten, in denen bei uns die Bewerberzahl in konjunkturell schwachen Zeiten zunimmt, sind angesichts des demografischen Wandels vorbei“, sagt der Erste Kreisrat Dr. Eckart Lantz. Oft sei es so, dass sich Bewerber zwischen mehreren Jobangeboten entscheiden könnten. Das WOCHENBLATT hat sich die aktuelle Situation angesehen.
Beispiel technisches Führungspersonal: Der Landkreis sucht eine neue Leitung für das Bauordnungsamt - ein Job für einen studierten Bauingenieur mit Universitätsabschluss. Beim Landkreis würde er oder sie in der Besoldungsgruppe A14 mit einem Monats-Brutto von rund 4.050 Euro beginnen. Je nach Stufe bzw. je nach Dienstzeit kann das Gehalt bis auf ca. 5.500 Euro am Dienstzeitende ansteigen. In der Privatwirtschaft locken Unternehmen mit Einstiegsgehältern in derartiger Höhe.
Die Krux: Der Landkreis ist an Tarife gebunden. „Möglicherweise muss sich der kommunale Arbeitgeberverband öffnen, was die Bezahlung angeht“, sagte Landrat Michael Roesberg jüngst im Finanz- und Personalausschuss. Aber was kann der Landkreis sofort unternehmen? Neben dem Einsatz von Personalberatungsagenturen („Headhunting“), die gezielt Kandidaten suchen, zielt der Landkreis bewusst auch auf Absolventen der örtlichen Hochschule 21 in Buxtehude ab: Bei der ausgeschriebenen Stelle des Bauoberinspektors konzentriert sich die Suche z.B. auf Fachhochschul-Studenten, die vom Kreis eine elfmonatige Fortbildung bezahlt bekommen und gleichzeitig schon ein kleines Gehalt als Inspektoranwärter beziehen - inklusive der Perspektive der Übernahme in ein Dauerbeamtenverhältnis. Weiteres Beispiel dieser Art: Einer dringend gesuchten Fachärztin im öffentlichen Gesundheitswesen würde der Landkreis die dreijährige Fortbildung finanzieren. Im Gegenzug verpflichten sich Bewerber, mehrere Jahre der Kreisverwaltung treu zu bleiben.
Lantz: „Neben finanziellen Anreizen müssen wir die Vorzüge der Arbeit im öffentlichen Bereich herausstellen.“ Stichwort Arbeitsplatzsicherheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Teilzeit-Modelle (15 bis 35 Stunden), Home-Office-Arbeitsplätze, etc..
Derzeit arbeiten ca. 830 Menschen in Voll- und Teilzeit für den Landkreis. Im vergangenen Jahr wurden rund 70 neue Mitarbeiter eingestellt.