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L140: Eine Baustelle, viele Storys

Chaos durch falsche Navi-Ansagen (Foto: Fotolia/Industrieblick)
 
Obstbauer Hein Lühs macht gute Miene zur Sperrung
bc. Jork. Die Straßensperrung in Jork-Königreich erzählt viele Geschichten. Die gute Nachricht vorab: Die Bauarbeiten an der L140 bzw. am Geh- und Radweg scheinen gut voranzukommen. Wahrscheinlich auch eine Folge der Vollsperrung, da die Arbeiter relativ ungestört ihr Tagwerk verrichten können. Nicht komplett ungestört, denn wahrlich nicht alle Verkehrsteilnehmer nehmen die Vollsperrung ernst, wie Marlies von Brook zu berichten weiß.
Sie wohnt genau am Eingangstor zur Baustelle und weiß: „Hier fahren nicht nur Anwohner und Anlieger durch, sondern hier gibt es auch viel Durchgangsverkehr, der eigentlich nicht stattfinden dürfte.“ Marlies von Brook muss sich regelmäßig über rücksichtslose Auto- oder Motorradfahrer ärgern, die das Baustellen-Tor nicht wieder schließen: „Wenn ich sie dann darauf hinweise, werde ich noch angepampt.“
Die Geschäftsleute in Jork, die von der Sperrung betroffen sind, versuchen dagegen ein positives Bild zu zeichnen. Sie wollen erst gar keine schlechte Stimmung bei ihren Kunden aufkommen lassen, was bislang ganz gut klappt. Stattdessen informieren die Betriebe in sozialen Netzwerken per Video-Tagebuch über den Baufortschritt, haben Umleitungkarten angefertigt und sich diverse Marketingaktionen ausgedacht.
Die Schlachterei Röhrs bietet beispielsweise ab dem 9. Juni einen Bestellservice an: Wer dienstags und freitags bis 10 Uhr bestellt, kann seine Einkäufe am Abend zwischen 18 und 18.30 Uhr am anderen Ende der Baustelle in Königreich abholen. Auf dem Obsthof Lefers bekommen Besucher als „Finderlohn“ einen Gratis-Apfel. Auffällig: Derzeit sind es in erster Linie Radfahrer, die die Läden in Osterjork ansteuern.
Das Problem ist nämlich: Auswärtige Autofahrer wissen nicht, wo fängt die Sperrung an, wo hört sie auf. Schon am neuen Kreisverkehr auf der L140 an der Einfahrt zur Ortsumgehung weist ein Schild auf die Sperrung in Königreich und die Sackgasse hin. Viele trauen sich nicht, weiter nach Osterjork zu fahren.
Das könnte auch an den Navigationsgeräten liegen, die oftmals nicht auf dem neuesten Stand sind. Obstbauer Gerd Lefers: „Wir hatten laufend massive Beschwerden von Kunden wegen falschen Verkehrsführungen durch Navi-Geräte.“ Teilweise leite die Software durch den Sassenweg und Heckenweg nach Osterjork 140, so Lefers. Zudem sei auch schon die Lückenbaustelle auf der L140 eingegeben, die erst im Juli und August geplant ist.
Lefers klemmte sich ans Telefon und kam dem Problem langsam auf die Schliche. Es wurden schlicht verschiedene Vorgaben von unterschiedlichen Stellen gemeldet. Lefers ist zuversichtlich, dass die Navi-Führung durch die Baustelle künftig besser klappt.
Das würde sich auch Hein Lühs vom Herzapfelhof wünschen: „Osterjork wurde nicht als Sackgasse sondern als Vollsperrung gemeldet. Das ist der Fehler.“ Er selbst will über Umsatzrückgänge nicht klagen, auch wenn sich derzeit so gut wie keine Laufkundschaft auf seinen Hof verirrt: „Noch ist es nicht dramatisch. Wir haben vorgearbeitet“, so Lühs.
Im kommenden Jahr könnte es dagegen schlimmer kommen. Dann wandert die L140-Baustelle von Königreich Richtung Osterjork und dann wird direkt vor den Obsthöfen gebaggert.