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Landkreis Stade: Heimische Tierwelt ist bedroht

Der Waschbär breitet sich enorm aus (Foto: DJV)
(bc). Die in Deutschland eingeschleppten Arten Waschbär, Marderhund und Nutria breiten sich im Landkreis Stade mit beachtlichen Zuwächsen aus. Das ergibt sich aus dem Streckenbericht der Jägerschaft Stade für das Jagdjahr 2016. Kreisjägermeister Günther Bube verweist auf die aktuellen Daten des Landkreises Stade: Danach wurden 2016 im Kreisgebiet 36 Nutria - auch Biberratte genannt - erlegt, was einem Zuwachs von 430 Prozent zum Vorjahr entspricht. Hinzu kommen 37 Waschbären (+ 62 Prozent) und 99 Marderhunde (+ 20 Prozent).
„Die Zahlen in unserer Region decken sich mit den neuen Monitoring-Daten für Waschbär, Marderhund und Nutria, die der Deutsche Jagdverband (DJV) jetzt in Berlin veröffentlicht hat. Wir fordern daher gemeinsam mit dem DJV Erleichterungen für die regulierende Jagd auf diese nachtaktiven ‚Fremdlinge‘, die die heimische Artenvielfalt bedrohen“, so Bube.
Jegliche Einschränkung, die eine effektive Bejagung von gebietsfremden Arten wie Waschbär, Marderhund und Nutria erschwert, ist nach Bubes Erfahrungen kontraproduktiv für einen übergeordneten Artenschutz. Dies gilt insbesondere für den Waschbären, den die Europäische Union (EU) kürzlich in die Liste der invasiven, gebietsfremden Arten aufgenommen hat. Primäres Ziel sei dabei die rechtzeitige Eindämmung dieser fremden Arten, so Bube: „Wenn wir die Vielfalt der heimischen Natur erhalten wollen, dann gibt es für uns nur zwei Stellschrauben: die Lebensräume erhalten und verbessern sowie die Fressfeinde reduzieren.“
Die Jägerschaft Stade sorgt sich vor allem um die rasche Zunahme der Nutria-Verbreitung in den Feuchtgebieten der Flusszonen. Bube: „Der Nutria verbreitet sich momentan an Wasserläufen und vermehrt sich extrem schnell. Dadurch verursachte Schäden an Ufern und Nutzpflanzen können nur durch enge Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Jagd vermieden werden.“
Besonders auffällig sei auch die Entwicklung beim Waschbären, einem nordamerikanischen Kleinbären: Er hat sich bundesweit ausgebreitet und kommt inzwischen in 43 Prozent der Reviere vor. Das sind 19 Prozentpunkte mehr als bei der ersten Erfassung im Jahr 2006. Die Ausbreitung macht sich auch in der Jagdstatistik bemerkbar. Bundesweit haben Jäger in der Jagdsaison 1995/96 rund 3.300 Tiere erlegt. In der Jagdsaison 2015/16 waren es 128.100, eine Rekordzahl.