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Malteser dürfen nicht mehr retten

Der Landkreis Stade will nicht mehr mit den Maltesern zusammenarbeiten. Die Verwaltung setzt auf das Deutsche Rote Kreuz (Foto: oh)
bc. Buxtehude. Der Malteser Rettungsdienst im Landkreis Stade droht einzuschlafen: Die Kreisverwaltung will nach mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr mit der Buxtehuder Dienststelle zusammenarbeiten. "Eine verlässliche Sicherstellung der Versorgung war nicht mehr gewährleistet", sagt Dezernentin Nicole Streitz.

Wenige Tage vor dem Jahreswechsel teilte sie den Maltesern die "Kündigung" mit. Hintergrund: Der Landkreis ist für die Sicherstellung des Rettungsdienstes in der Region verantwortlich. Größtenteils übernimmt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) diese Aufgabe. Seit vielen Jahren war es jedoch gängige Praxis, dass die Malteser von Freitagfrüh 7 Uhr bis Montagmorgen um 7 Uhr die Besatzung für einen Rettungswagen des DRK stellten. Seit Anfang der 90er Jahre gab es eine entsprechende Vereinbarung zwischen Maltesern und DRK.

Jetzt hat der Landkreis einen Schlussstrich gezogen, nachdem die Malteser seit Anfang Dezember 2012 den Dienstplan nicht mehr einhalten können. "Einmal erhielten wir nicht mal 36 Stunden vor geplantem Dienstantritt eine Absage", berichtet Nicole Streitz.

Die Malteser arbeiten ausschließlich mit nebenberuflichen, geringfügig beschäftigten Rettungsassistenten sowie Rettungssanitätern zusammen: insgesamt sind es in Buxtehude rund 25. Nach WOCHENBLATT-Informationen soll die Moral der Truppe nach internen Querelen arg gelitten haben.

Unter anderem soll es um einen Aufenthaltsraum gehen, den die Retter seit etwa einem Jahr mit den Malteser-Fahrern des Menüservices teilen müssen. Es soll zum Streit gekommen sein. Was wiederum dazu geführt habe, dass sich niemand mehr in den Dienstplan eintrug. "Bestimmt die Hälfte der Sanitäter und Assistenten sind vergrault worden", sagt ein Insider, der anonym bleiben möchte.

Heiko Drägerhof, Malteser-Dienststellenleiter in Buxtehude, ist erstaunt und verärgert über das Verhalten des Landkreises: "Ich hätte mir einen Dialog gewünscht und keinen sofortigen Rausschmiss nach 20 Jahren zuverlässiger Arbeit." Es sei zunehmend schwerer, nebenberufliche Retter zu finden, die freitagmorgens Zeit hätten, erklärt Drägerhof die Problematik. Durch die unsichere Zukunft seien viele Mitarbeiter bereits zum DRK abgewandert.

Drägerhof verweist zudem auf den finanziellen Aspekt: "Mit unserem Personalaufwand haben wir den Krankenkassen viel Geld gespart." Das DRK arbeite vor allem mit hauptamtlichen Kräften zusammen. Das werde den Kostenträgern teurer zu stehen kommen.

Die Rotkreuzler sollen nach der Kündigung der Malteser die Besatzung des Rettungswagens am Wochenende stellen. Thomas Waskow, Leiter des DRK-Rettungsdienstes in Stade, schiebt derzeit Überstunden, um die Dienstpläne zu koordinieren. "Wir brauchen zwei neue Rettungsassistenten und zwei neue Rettungssanitäter in Vollzeit, um den Mehraufwand leisten zu können", sagt Waskow.

Laut Nicole Streitz muss die Vergabe des Rettungsdienstes nicht neu ausgeschrieben werden, da es sich um keine "Erweiterung" handelt. Derzeit steht die Dezernentin in Verhandlung mit den Krankenkassen über die Mehrkosten.

Was mit den übriggebliebenen Malteser-Rettern in Buxtehude passiert, ist fraglich. Bis auf einige Sonderdienste, die sie mit dem eigenen Rettungswagen erledigen, hat Heiko Drägerhof keine Aufgaben mehr für sie.