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"Meiner Familie geht es schlecht"

Yasmin Al-Hoessen konnte ihre Familie vor sechs Jahren das letzte Mal in die Arme schließen
 
Yasmin Al-Hoessen lebt mit ihrem Ehemann und den Kindern Ciwan und Giude seit fünf Jahren in Buxtehude
bc. Buxtehude. Während in Montreux in gut geheizten Räumen über Wege aus der Krise Syriens verhandelt wird, tobt der Bürgerkrieg im Land eiskalt weiter. Tag für Tag explodieren Bomben, sterben Menschen. Yasmin Al-Hoessen (26) aus Buxtehude hat Angst um ihre Familie. Ihre Geschwister und Eltern leben in Kamischli in den Kurdengebieten im Nordosten Syriens. Tagtäglich erleben sie den wahr gewordenen Albtraum. Kurdische Milizen kämpfen gegen syrische al-Qaida-Ableger. "Meiner Familie geht es nicht gut. Ich mache mir große Sorgen. Zwei meiner Cousins wurden bereits geköpft. Es ist schrecklich. Das ganze Land ist zerstört", erzählt die junge Frau.

Am Mittwoch erhielt sie wie viele andere syrische Staatsangehörige in den Landkreisen Harburg und Stade Post von der Kreisbehörde, die ihre Hoffnung schürt. Darin steht: Menschen mit syrischen Wurzeln, die hier leben, bekommen aufgrund der dramatischen Flüchtlingssituation im Nahen Osten die Möglichkeit, Verwandte aus Syrien bei sich aufzunehmen. Sie sollten sich so schnell wie möglich melden. Yasmin Al-Hoessen möchte die Chance nutzen, zumindest Teile ihrer Großfamilie nach Deutschland zu holen.

Die 26-Jährige hat neun Brüder und Schwestern: "Ich würde am liebsten alle nach Deutschland holen, aber das wird nicht gehen." Yasmin hat bereits mit ihren Eltern gesprochen. "Ich soll mich zuerst um meine Geschwister mit kleinen Kindern kümmern, sagen sie", erzählt die Frau.

Yasmin hat selber zwei Kinder im Kindergartenalter. Jeden Morgen, wenn sie ihren Söhnen ein Butterbrot schmiert, schießt ihr die dramatische Situation ihrer Nichten und Neffen in den Kopf. "Es gibt nur wenig zu essen. Oft müssen sie hungern. Für die Kinder ist es am schlimmsten."

Yasmin denkt oft an ihre herzkranke Mutter: "Die medizinische Versorgung ist schlecht. Es gibt keine Tabletten. Eigentlich müsste meine Mutter ins Krankenhaus nach Damaskus. Doch die Fahrt ist zu gefährlich."

Vor sechs Jahren kam Yasmin Al-Hoessen nach Deutschland. Seit fünf Jahren lebt sie mit ihrem syrischen Ehemann in Buxtehude. Falls sie tatsächlich ihre Verwandten holen darf, würde Yasmin die Heimatlosen zunächst einmal aufnehmen: "Hauptsache sie sind in Sicherheit." Die Sehnsucht nach ihrer Familie zerreißt ihr das Herz. Ihre kleine Schwester war sieben Jahre alt, als sich Yasmin verabschiedete. Heute ist sie ein Teenager. "Ich vermisse sie so sehr."

Susanne Graf-Geller, ehrenamtliche Integrationslotsin aus Steinkirchen, kennt die Sorgen und Nöte von Yasmin Al-Hoessen. Sie hilft, wo sie kann. Graf-Geller würde sich freuen, wenn die deutsche Flüchtlingspolitik auch denjenigen hilft, die schon hier sind: "Viele haben Probleme, Sprachkurse zu bekommen, dürfen nicht arbeiten und haben kaum ernsthafte Ansprechpartner. Sie kämpfen darum, hier Fuß zu fassen."

Yasmin Al-Hoessen boxt sich seit sechs Jahren durch. Jetzt hofft sie, endlich ihre Familie wiedersehen zu können. Welche und wie viele Flüchtlinge für die Dauer des Konfliktes tatsächlich in Deutschland leben dürfen, entscheidet letztlich das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration.