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Nach 25 Jahren wieder reiten: WOCHENBLATT-Redakteurin beim Selbsttest

Reit-Comeback auf dem Rücken von "Comeback": Alexandra Bisping (li.) mit Reitlehrerin Carolin Böhnke (Foto: tk)
 
Beim Angaloppieren muss "Comeback" kräftig angetrieben werden (Foto: tk)

Alexandra Bisping: "Mein Comeback mit ,Comeback'"

ab. Buxtehude. Meine Beine zittern. Die Oberschenkel schmerzen. Und im Kreuz spüre ich es auch: Dabei sitze ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping (48), gerade mal zehn Minuten auf dem Pferd. Dass es anstrengend wird, habe ich zwar geahnt. Doch dass ich, nachdem ich nach 25 Jahren zum ersten Mal wieder reite, so schnell schlapp mache, überrascht mich.
Warum ich mein Glück auf dem Rücken eines großes Pferdes suche, ist schnell erklärt: In der vergangenen Zeit habe ich wiederholt von ehemaligen Reitern gehört, die sich nach langer Reit-Abstinenz wieder auf ein Pferd getraut haben. Auch mich hat die Lust gepackt und möchte eine Antwort auf die Frage: Auf wie viel Können kann ich nach einem Vierteljahrhundert noch zurückgreifen?

Um das herauszufinden, treffe ich mich mit Carolin Böhnke von der Reitsportanlage Brakenhof in Harsefeld. Die 21-jährige Reitlehrerin wartet mit „Comeback“ auf mich. Die wunderschöne zehnjährige Stute geht nicht im normalen Schulbetrieb mit - und ist mit 1,70 Metern Stockmaß ganz schön groß. Etwas stolz bin ich, dass mir das Aufsitzen ohne Tritt gelingt. Oben angekommen, muss ich trotzdem erstmal schlucken - gefühlt ist „Comeback“ mindestens drei Meter hoch.

Carolin Böhnke nimmt das Pferd erst mal an die Longe. Sie versichert mir glaubhaft, dass es sich um ein sehr liebes Tier handelt. Angst habe ich trotzdem, denn in meinem Kopf kreisen die Gedanken: Was, wenn „Comeback“ sich erschreckt, unvermutet zur Seite springt, versucht durchzugehen? Falle ich runter?

Nach alter Reitschul-Manier habe ich gelernt, das Pferd mit dem Becken „anzuschieben“, doch jetzt rät Carolin mir, locker mit den Bewegungen mitzuschwingen. „Zu viel Spannung auf den Oberschenkeln zeigen dem Tier die Unsicherheit des Reiters, das überträgt sich“, sagt sie. Besser, Balance halten und die Unterschenkel nur leicht an das Pferd drücken. Anstrengend, finde ich.

Trotzdem kann ich mich nach kurzer Zeit etwas entspannen: Die junge Reitlehrerin sendet viele positive Signale aus, lobt mich für meine Haltung und fragt bald, ob ich antraben möchte. Sie schlägt vor, dass ich den Trab „aussitze“, also nicht wie beim leichten Trab im Sattel aufstehe, wenn die äußere Schulter des Pferdes nach vorne geht. Es klappt nicht! Wie Pudding schaukle ich auf dem Pferderücken herum und darf dann Leichttraben. Das funktioniert erstaunlich gut. Ich werde mutiger.

„Wie wäre es mit einem Galopp?“, fragt mich Carolin und ich willige ein. Nach kräftigem Treiben fällt die Stute in einen weichen Galopp. Es ist herrlich! Allerdings werden meine Beine immer kraftloser. Bevor mich mein Hochgefühl verlassen kann, pariere ich durch zum Schritt.

Es wird noch einmal spannend, als Carolin mich von der Longe nimmt und ich einige Runden frei trabe, doch dann ist es mit meiner Kondition endgültig vorbei.
Glücklich steige ich ab - und spüre sofort meine schmerzenden Beine. Am Abend lästert mein Mann, das Pferd hätte doch mich tragen müssen und nicht umgekehrt. Doch es hat Spaß gemacht und ich möchte mehr! Ich nehme mir vor, bis zu meiner nächsten Reitstunde nicht wieder 25 Jahre zu warten.