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Pflegenotstand: Hilfe kommt aus Serbien

Pflegeheimleiterin Suzana Vidra (3.v.re.) begrüßt die serbischen Fachkräfte (v.li.): Danijela Ivanovic, Anita und Monika Katanic, Katharina Lazarevic und Miroslav Miskovic
(bc). Alle reden vom Pflegenotstand. Schon heute fehlen in Deutschland 20.000 bis 30.000 Fachkräfte. Die Elbe Kliniken in Stade und Buxtehude sowie der Pflegeheimbetreiber "Casa Reha" in Neu Wulmstorf haben jetzt einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen. In einem Pilotprojekt heuerten die Kooperationspartner 15 Pflegefachkräfte aus Serbien an.

Seit dem 2. Januar sind die Zwillingsschwestern Anita und Monika Katanic (27) in Deutschland. Jede mit nur zwei Koffern im Gepäck. Der Startschuss in ein neues Leben. "Uns fiel die Entscheidung nicht leicht", gibt Anita zu. Familie und Freunde mussten die examinierten Krankenschwestern zurücklassen. In der Heimat bekamen die beiden, die von 1991 bis 2000 bei Frankfurt lebten, nur Zeitverträge angeboten.

Die Arbeitsbedingungen in den serbischen Kliniken sind nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Katharina Lazarevic (23), die für ihr Medizinstudium 2010 ein Auslandssemester in Mannheim verbrachte, erzählt von den Zuständen in einem Belgrader Krankenhaus: "Dort müssen sich Patienten ihr Verbandsmaterial selbst kaufen."

Die Idee für das Projekt stammt von Suzana Vidra, die das Seniorenpflegeheim "An den Moorlanden" in Neu Wulmstorf führt. Die gebürtige Serbin erinnert sich: "Zu Beginn sagte mir jeder, dass das Projekt kaum möglich sei, da Serbien kein EU-Land ist." Der Kontakt mit dem Niedersächsischen Sozialministerium half ihr dann weiter. Im Dezember lagen schließlich alle Genehmigungen und Aufenthaltstitel vor.

Insgesamt führte Suzana Vidra zusammen mit Bernd Lambrecht, Pflegedirektor der Elbe Kliniken, 68 Bewerbungsgespräche in Belgrad.