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Psychologe wird Sargträger

Immer dekoratives Grün im Blick: Hans-Wolfgang Hoffmann in seinem "eigenen Reich"

Der Buxtehuder Hans-Wolfgang Hoffmann erzählt aus seinem bewegten Leben

Vom Psychologen zum Alkoholiker, vom Forstwirt zum Sargträger: Im Leben von Hans-Wolfgang Hoffmann gab es viele Höhen und Tiefen. Unzählige Geschichten hält der lebensfrohe 69-Jährige für seine staunenden Zuhörer parat, gespickt mit Zufällen und Begebenheiten, die sein Leben beeinflussten.

Wie beispielsweise die Anzeige in der Zeitung, die er vor 13 Jahren las: Bestattungshelfer gesucht, steht dort. Der in Hildesheim geborene Hoffmann meldet sich, wird einer von neun Männern in der Gemeinschaft der Sargträger. Zwei bis drei Tage vor einem Termin wird er telefonisch benachrichtigt und u.a. zum Sargtragen in Buxtehude, Moisburg, Jork angefordert. Da seien schon schräge Dinge passiert, berichtet Hoffmann. „Einmal sollten wir alle total fröhlich aussehen. Wie soll das gehen? Die Träger in Schwarz, Sarg auf der Schulter und dabei fröhlich aussehen?!“ Beerdigt wurde ein Künstler, der sich einen mit farbigen Händen bedruckten Sarg gewünscht hatte. „Wir Träger mussten ziemlich viel Abstand zum Sarg halten, damit wir uns mit der frisch aufgetragenen Farbe nicht einschmieren.“ Er bevorzuge jedoch die klassischen Beerdigungen.

Von manchem Trauergast wünscht Hoffmann sich etwas mehr Pietät: „Die Leute sind auf einer Beerdigung, aber das vergessen viele. Die laufen laut quatschend hinter dem Sarg her, dabei sollten sie einfach mal nur die Klappe halten.“
Ganz unten war der Hundeliebhaber in seinem Leben auch schon: „Ich hab mich bis zum Penner gesoffen“, sagt Hoffmann ironisch. Der ehemalige Diplom-Psychologe, der in München und Wien studiert hat, weiß, wie sich ein Leben ohne Obdach anfühlt. Er wohnte zwei Jahre lang in einer Höhle, holte sich Wasser aus der Isar und schleppte zum Geldverdienen auf dem Markt Rinder- und Schweinehälften. „Nach zwölf Jahren saufen hab ich mich selbst in eine Klinik eingewiesen. Erst wollte man mich dort nicht aufnehmen, aber nachdem ich androhte, einen hohen Turm zu besteigen und einen Suizid zu begehen, ging es plötzlich.“ Heute fasst er keine Flasche mehr an - höchstens beim Spazierengehen, wenn die Gefahr besteht, dass ein Hund sich daran verletzen könnte.

Hoffmann gelang es, sich selbst „aus dem Dreck zu ziehen“ und sein Leben neu zu ordnen. Er sattelt nach dem Klinik-Aufenthalt um zum Diplom-Forstwirt. Das Arbeiten mit Holz liebt er, auch, nachdem er sich bei einem Säge-Unfall vier Finger der rechten Hand zur Hälfte abtrennt. Danach schreibt er mit links: „Ich bin ursprünglich Linkshänder. In der Schule hatten sie mir das zwar mit ein paar Ohrfeigen abtrainiert, aber ich konnte es noch.“

Seit 1995 lebt Hoffmann nun in Buxtehude, seit 16 Jahren ist er mit Ehefrau Katja zusammen. Sie hat für ihn ihre Angst vor Hunden überwunden. Die kleine Hundedame Jule komplettiert die Familie. Sie liebt Herrchen über alles - nur wenn Wolfgang Hoffmann sein Parforce-Horn auspackt, sucht Jule das Weite.