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Radfahr-Alltag auf der Bahnhofstraße in Buxtehude: Todessehnsucht oder Mut?

Der Regelfall: Radfahren auf der ehemaligen Radler-Spur

tk. Buxtehude. Diese Regel gilt in Buxtehude auf der Bahnhofstraße schon seit 2011 und dürfte trotzdem die unbekannteste Vorschrift für Radfahrer in der gesamten Estestadt sein: Wer mit dem Drahtesel unterwegs ist, darf auf der Straße fahren.
Das Verkehrszeichen (weißer Fußgänger auf blauem Grund) für den Fußweg wird am Eingang der Bahnhofstraße mit dem Hinweis "Radfahrer frei" ergänzt. Das heißt: Der Gehweg ist eigentlich nur für Fußgänger und Radfahrer müssten in dieser Tempo 30-Zone auf der Fahrbahn fahren. Sie dürfen zwar auch den Fußweg benutzen - doch haben die Fußgänger dort "Vorfahrt". Der Fußweg sollte den Fußgängern vorbehalten sein - eigentlich.

"Diese Regelung geht auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zurück", erklärt Klaus Huhn von der Stadtverwaltung. In Tempo 30-Zonen müssen Radfahrer nur noch dann auf eigenen Wegen fahren, wenn es für sie besonders gefährlich wäre, auf der Straße zu radeln.
Die Wirklichkeit in Buxtehude sieht aber so aus: Kein einziger Radfahrer nutzt auf der Bahnhofstraße die Fahrbahn. Hinzu kommt: Der optisch vom Fußweg durch eine andere Pflasterung abgegrenzte (ehemalige) Radweg auf beiden Seiten der Bahnhofstraße lässt vermuten: Hier haben Radler ihre eigene Piste. Folge: Ein Fußgänger, der dort seinen Fuß hinsetzt, wird energisch weggeklingelt.
Über die Gründe, warum kein Radfahrer die Straße nutzt, kann spekuliert werden: Wenig hilfreich ist es, dass viele Autofahrer Tempo 30 auf der Bahnhofstraße für eine Fiktion halten. Radfahren auf der Fahrbahn erfordert Mut oder Todessehnsucht.
Was sich alle Verkehrsteilnehmer von Fußgänger bis Autofahrer vornehmen sollten, weiß Klaus Huhn auswendig: Rücksicht auf Schwächere nehmen. Der Auto- auf den Radfahrer und der Pedalritter auf den Fußgänger.
Wenn es heute schon nicht mit den bestehenden Regeln auf der Bahnhofstraße klappt, was wäre wohl dann los, wenn dort - oder anderswo - ein so genannter Shared Space entstehen würde? Dabei gibt es nämlich keinen Unterschied mehr zwischen Autofahrbahn und Fußweg. Alles wuselt - mit gehöriger gegenseitiger Rücksichtnahme - durcheinander.