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Regen bringt Segen

Regenschirm und Gummistiefel oder Bikini und Sonnenbrille? Vanessa (li.) und Natascha (beide 17) wissen es auch nicht. Petrus beschert den Norddeutschen Wetterkapriolen: Mal schüttet es wie aus Gießkannen, dann wieder zeigt sich die Sonne. Die hübschen Zwillinge machen das Beste aus dem Auf und Ab und planen an diesem Wochenende in jedem Fall einen Strandbesuch an der Elbe auf ihrer Heimatinsel Krautsand
 
Dass man auch Spaß am nassen Wetter haben kann, beweisen Hanna (vorne), Isabell, Victoria und Pepe (v. li.) aus dem DRK-Kindergarten in Dollern Fotos: lt/tp
(bc/lt/tk/tp). Ist das noch normal? Eine Frage, die sich angesichts des „Sausommers“ zahlreiche Menschen in Deutschland stellen. Das WOCHENBLATT hat sich an verschiedenen Stellen im Landkreis umgehört: Welche Probleme bringt der viele Regen mit sich, wer ist vielleicht angesichts der Niederschlagsmengen Petrus sogar dankbar? Ein Überblick:
• Zunächst zu den Fakten: Das Seewetteramt Hamburg bestätigt dem WOCHENBLATT für den Großraum Hamburg, dass der Juli 2017 viel zu nass ist. Das langjährige Monatsmittel im Juli beträgt 82 Liter pro Quadratmeter, in diesem Jahr sind es 115 Liter. Außerdem scheint die Sonne zu wenig. Normal sind 207 Sonnenstunden, in diesem Juli sind es hochgerechnet im Schnitt nur 182 gewesen. Anders sieht es beim Temperaturniveau aus, das sich mit 16,9 Grad im langfristigen Mittel bewegt. Der Durchschnittswert liegt bei 16,8 Grad. Also fast eine Punktlandung.
Hoffnung macht das Seewetteramt, was die Regenmenge in der nächsten Woche angeht. Auch wenn es wechselhaft mit gelegentlichen gewittrigen Schauern bleibt, die Niederschlagsmenge soll insgesamt abnehmen. Ein kleiner Trost.
• Dr. Sebastian Möllers, Direktor der Stader Museen, kann dem Regen etwas Positives abgewinnen: „Generell ist bei uns in den Sommerferien mehr los, aber angesichts dieses Wetters sind es noch mehr Besucher. Unsere Ausstellungen sind sehr gut besucht. Wir freuen uns über jeden Gast.“
• „Wir brauchen kein Schlechtwetterprogramm“, sagt Judith Brehm von der Touristinfo in Buxtehude. Sie ist überrascht davon, dass anhaltendes Regenwetter die Besucher überhaupt nicht stört. „Gestern haben mir Radtouristen sogar erzählt, dass es doch schön warm dabei ist“, sagt Brehm, die sich selbst über etwas mehr Sonnenschein freuen würde. Auch bei den Stadtführungen gebe es keinen Besucherrückgang.
• In den Freibädern der Regionkönnte es dagegen besser laufen. Im Stader Solemio verzeichneten die Stadtwerke bis Ende Juni 3.579 Besucher weniger als im vergangenen Jahr. Bester Tag mit 1.049 Besuchern war der 19. Juni, schlechtester Tag mit lediglich zwölf Besuchern der 30. Juni. „Die Saison lief bis jetzt eher mäßig gut“, sagt Stadtwerke-Chef Christoph Born. Glücklicherweise können die Stader die schlechten Besucherzahlen durch ihr Hallenbad kompensieren. Andere Bäder tkönnen das nicht.
• Keinen negativen Einfluss hat der viele Regen auf Äpfel und Birnen, die derzeit an den Bäumen reifen, sagt Dr. Matthias Görgens, stellvertretender Leiter des Obstbauzentrums Esteburg in Jork-Moorende. Ein bisschen mehr Sonne wäre zwar nicht schlecht, vor allem für die Birnen, die dadurch am Ende süßer schmecken, aber es sei trotzdem alles „im grünen Bereich“. Anders sieht es dagegen beim so genannten Weichobst aus. Insbesondere bei Kirschen, Himbeeren, Erdbeeren und Johannisbeeren, aber auch bei Pflaumen und Zwetschen richte der Regen großen Schaden an, weil die Früchte beschädigt werden, so Görgens. Die Ernte falle durch den kalten Frühling ohnehin schon unterdurchschnittlich aus. Generell gehe der Trend der Obstbauern dahin, ihre Früchte zu überdachen. Anders sei ein wirtschaftlicher Anbau nicht möglich.
• „Wir warten auf Sonne und Wind, sagt der Kreis-Landwirt Johann Knabbe aus Fredenbeck. Bei Roggen, Weizen, Raps und Triticale sei die Frucht voll ausgebildet, jedoch mit 25 Prozent Wassergehalt noch zu feucht für die Ernte. Bei einer Restfeuchte von 15 bis 16 Prozent stehe dem Dreschen und Lagern nichts mehr im Wege. Bis auf einige Schläge, vor allem in der Marsch, seien die Äcker noch nicht überschwemmt, sodass die meisten Felder mit schwerem Gerät befahren werden könnten.