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Schauspielerin Dagmar Dreke: Sie passt in keine Schublade

Dagmar Dreke und ihr Lebensgefährte Oliver Reimann haben im Alten Land eine zweite Heimat gefunden. (Foto: bc)
 
Im Open-Air-Theater-Klassiker "Der Hamburger Jedermann" spielt Dagmar Dreke aktuell "die Technologie" (Foto: Michael Batz)
bc. Estebrügge. Dass Dagmar Dreke auch schüchtern sein kann, mag man beim Ortstermin mit dem WOCHENBLATT kaum glauben. In ihrem Reihenhäuschen im Alten Land präsentiert sich die singende Schauspielerin, wie sich selber gerne nennt, von ihrer quirligen und offenen Seite.
Und doch: Klinken putzen fällt ihr schwer. „Das hasse ich an meinem Job“, sagt sie. Glücklicherweise muss sie es derzeit auch nicht: Schauspiel, Gesang, Bühnenshow, Synchronsprechen, Lesungen, etc. - Dagmar Dreke ist gut im Geschäft.
Wer sie aktuell sehen will, muss in die Speicherstadt fahren, wo sie die kommenden Wochen beim Open-Air-Spektakel „Der Hamburger Jedermann“ gleich in sechs verschiedene Rollen schlüpft. Seit 2009 gehört sie fest zum Ensemble.
Es läuft gut für die 58-Jährige: „Ich bin stolz, sagen zu können, dass ich von meinem Job leben kann.“ In ihrer Branche ist das keine Selbstverständlichkeit. Schauspieler knapsen nicht selten am Existenzminimum. Die wenigsten können sich nur mit Theaterspielen über Wasser halten. Da sich für Dagmar Dreke eine TV-Karriere nie ergeben hat, fährt sie eine andere Strategie: „Ich finanziere meine Theater-Leidenschaft mit Synchronsprechen.“
In all den Jahren sind weit über 100 Sprechrollen in Filmen und Serien zusammengekommen. Dagmar Dreke sprach z.B. Allie Reese in Baywatch oder lieh verschiedenen Charakteren in der Kult-Serie „King of Queens“ ihre Stimme. Auch Computerspiele werden immer mehr ein Thema. In dem Rollenspiel „Mass Effect: Andromeda 2017“ spricht sie die Schiffsärztin Dr. Lexi T'Perro. Ihr englisches Pendant ist übrigens Natalie Dormer - weltbekannt aus „Game of Thrones“.
Doch nicht nur im TV und PC ist Dagmar Dreke akustisch präsent. Auch in der Elbphilharmonie oder im Elbtunnel könnte man sie hören - allerdings will das niemand. Dort hat sie die Notfall-Durchsagen eingesprochen, woran ihr Lebensgefährte Oliver Reimann nicht ganz unschuldig ist - ein Ingenieur für Beschallungstechnik.
Mit ihm ist sie auch 2004 nach Estebrügge gezogen. Sie, eine Hamburgerin durch und durch, er, ein Berliner, trauten sich aufs platte Land. Dass es das Alte Land wurde, ist mehr dem Zufall zu verdanken. „Eigentlich hatten wir nur einen Ausflug zum Inline-Skaten geplant. Abends wussten wir: Hier wollen wir leben“, erzählt Dagmar Dreke.
Bis sie so richtig an der Este angekommen waren, hat es jedoch einige Zeit gedauert: „Vor zwei Jahren haben wir angefangen, uns in der Flüchtlingsinitiative zu engagieren. In dem Zuge haben auch wir uns integriert“, sagt die Schauspielerin mit dem für sie typischen Lächeln. Heute gibt sie u.a. Ausländern im Ort Deutsch-Unterricht.
Vielseitigkeit - beruflich wie privat - das ist Dagmar Dreke wichtig. „Ich will in keine Schublade gezwängt werden“, sagt sie. Dass diese Unentschiedenheit in der TV-Branche durchaus als Karrierebremse gilt, ist ihr dabei egal. Die Bühne ist ohnehin ihre Leidenschaft. Bei ihrem eigenen Chanson-Programm mit Pianistin kann sich die singende Schauspielerin so richtig „austoben“.