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So wird die Energiewende attraktiver

Der Aufbau an der Harsefelder Straße ist ca. 1,1 Kilometer lang. Die Hochspannungsleitung ist nur ein Dummy
 
Das Projekt ist bundesweit einzigartig
bc. Stade. Wie bekommt man den Strom von den großen Offshore-Windenergie-Anlagen im Norden zu den Menschen im Süden? Tausende Masten, an denen die Hochspannungsleitungen hängen und die die Landschaft verschandeln, stoßen bei großen Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung. Das hat das Projekt „SuedLink“ deutlich gezeigt (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach). Aber auch die teure Erdverkabelung ist nicht so einfach und sorgt vor allem bei Landwirten angesichts des relativ hohen Flächenverbrauchs für Unmut. In Stade testen die hiesigen Stadtwerke jetzt in Kooperation mit zwei anderen Firmen eine völlig neue Technik, die die Energiewende attraktiver machen würde.
Das Metall-Gerüst an der Harsefelder Straße ist nicht zu übersehen. Auf einer Länge von etwas mehr als einem Kilometer zwischen Riensförde und Hagen-Steinbeck haben die Stadtwerke zusammen mit ihren Kooperationspartnern „Wähler Tief- und Rohrleitungsbau“ sowie der Firma „AGS-Verfahrenstechnik“ die bundesweit erste Pilotstrecke dieser Art aufgebaut.
AGS - das bedeutet auftriebsgestütztes Slipping und ist im Kern eine innovative Kabelverlegetechnik, bei der ohne großen Kraftaufwand Leitungen durch das Erdreich gezogen werden können. In Stade wird genau das simuliert. Dafür haben die Stadtwerke bereits bestehende Rohre des Salzproduzenten „Akzo Nobel“ übernommen, um in diese Rohre Wasser zu pumpen. Dadurch kann ein zweites Leerrohr, in dem sich dann später das Hochspannungskabel befindet, relativ leicht ohne Reibungsverluste über extra gebaute Schächte eingezogen werden. Es schwebt quasi im Wasser. Das „High Voltage“-Kabel ist in diesem Fall aber nur ein Dummy, weil echte 380 KV-Leitungen extrem teuer sind. Pro Meter wiegt es rund 40 Kilogramm. Ein erster Versuch mit einem 50 Meter langen Kabel hat gut funktioniert. Geplant ist, dass das Kabel später auf der gesamten Länge in einem Schwung verlegt wird.
Das Innovative dahinter: Durch die wassergestützte Kühlung der Stromkabel, die durch den Einbau von Pumpen noch weiter verbessert werden könnte, ist es nicht mehr notwendig, 40 Meter breite Sicherheitsschneisen durch die Landschaft zu ziehen, wie sonst bei Erdverkabelungen üblich. Bei diesem neuen AGS-Verfahren reichen laut Stadtwerke-Projektleiter Michael Teutsch vier bis fünf Meter - wahrscheinlich sogar weniger, wenn die zusätzlichen Kühlungen eingebaut werden.
Die Folge: Planungs- und Genehmigungsverfahren werden sich beschleunigen, weil die Leitungen gut neben Autobahnen verlaufen könnten, deren Flächen meist ohnehin im Besitz des Bundes sind. Außerdem würde sich die Akzeptanz der Energiewende in der Gesellschaft deutlich erhöhen, da die Inanspruchnahme von Natur und Landschaft deutlich niedriger wäre.
Je nachdem wie erfolgreich die Pilotphase nun ist, wird der Versuchsaufbau noch einige Zeit in Stade stehen bleiben. Auch damit sich die vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland, Tennet, 50Hertz Transmission, Amprion und TransnetBW, von der Technologie vor Ort ein Bild machen und eventuell eigene Teste durchführen können.
Der Clou: Auch wenn das Wasser die Stromleitung kühlt, gibt sie immer noch Wärme ab, die weiterverwendet werden könnte. Beispielsweise für das Heizen von Straßen im Winter. Stadtwerke-Geschäftsführer Christoph Born: „Wir werden die Versuche im November zum Abschluss bringen.“