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Stade: Luxushotel, ja oder nein?

Dehoga-Bezirksgeschäftsführerin Nathalie Rübsteck (Foto: Dehoga)
bc. Stade. Für ein neues Luxus-Hotel mit 120 Betten gibt es in Stade keinen Bedarf. Das sagt Vinco Topic, Chef des „Stader Hofs“, zu den wieder aufgerollten Plänen der Stadtverwaltung und des Londoner Investors Victor Dahdaleh, neben dem Veranstaltungszentrum „Stadeum“ ein „4-Sterne-Superior-Haus“ zu errichten. In unmittelbarer Nähe zum „Stader Hof“. Ist Topics Aussage nur der Sorge vor einer zu starken Konkurrenz geschuldet oder gibt es wirklich keinen Bedarf für eine edle Herberge in Stade?
Gutachten hat es in der mehr als zehn Jahre alten Diskussion um den Hotel-Bau viele gegeben. Das neueste stammt aus dem Jahr 2014 - ein Jahr nachdem das Oberverwaltungsgericht den letzten Bebauungsplan der Stadt einkassierte (das WOCHENBLATT berichtete). Die Kernaussagen der gutachterlichen Stellungnahme: Stade sei ein moderner Industrie- und Dienstleistungsstandort, der von hochrangigen Geschäftsleuten, Managern und Wissenschaftlern besucht wird. Bei internationalen Tagungen (CFK-Valley, Airbus, Dow, AOS, etc.) fehlen in Stade Hotelbetten. Ein zusätzliches Hotelangebot wäre ein wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung des Stadeums, da Veranstalter im deutschen Kongress- und Veranstaltungsmarkt oft ein First-Class-Hotel mit unmittelbarer Anbindung an den Veranstaltungsort zur Voraussetzung einer Buchung machen.
Die Tatsache, dass mit dem „Stader Hof“ bereits ein Hotel neben dem Stadeum existiert, das übrigens in der Anfangsphase auf einer Zusammenarbeit zwischen Betreiber und Stadt fußte, wird in der Stellungnahme als Vorteil gesehen, da von Veranstaltern entsprechend der Teilnehmerstruktur unterschiedliche Hotelkategorien und - preise gewünscht werden. Von dem Luxushotel werde später der „Stader Hof“ profitieren.
Die vorhandenen Hotelbetriebe in Stade seien überwiegend der einfachen und mittleren Ausstattung zuzuordnen (1 bis 3 Sterne). Mit Ausnahme eben des „Stader Hofs und des „Ramada Hotel Herzog Widukind“, die beide über vier Sterne verfügen. Die Ausstattung des neuen Hotels werde einen so entscheidenden qualitativen Abstand zu den bestehenden 4-Sterne-Häusern in Stade haben, dass in keinem Fall von einer Ausweitung des Angebots gesprochen werden könne.
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht es anders. Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des Dehoga im Bezirk Stade, erklärt dazu auf WOCHENBLATT-Anfrage: „Wir befürworten in Stade jede erfolgversprechende Hotelentwicklung.“ Zu der Planung am Stadeum sagt sie aber: „Stade hat ein ausreichendes Bettenangebot gerade im 4-Sterne Bereich. Mehr als 30 Prozent der Hotelbetten in Stade befinden sich in diesem Segment, weitere 30 Prozent in einer 3-Sterne-Superior-Klassifizierung.“ Das Hotelgeschäft in Stade sei sehr saisonabhängig, über das ganze Jahr gebe es eine Auslastung von nur ca. 35 Prozent, so Rübsteck. Darüber hinaus gebe es in Stade inzwischen ein umfangreiches Angebot an Boardinghäusern.
Es werde mit dem neuen Hotel die gleiche Zielgruppe angesprochen, die jetzt schon gut in Stade bedient werde. Rübsteck: „Dies wird in den schwachen Monaten zwangsläufig zu Kannibalisierungseffekten in der gewachsenen mittelständischen Hotellandschaft in Stade führen.“
Wer nun Recht behält, wird die Zeit zeigen. Die Stadt schreibt in ihrer Sitzungsvorlage zur Bebauungsplan-Änderung nur: Bedarfsanalysen können die Wettbewerbssituation nicht mit absoluter Sicherheit prognostizieren.