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Studie über Leseschwäche bei Viertklässlern: "Das Problem wird stark übertrieben"

So sieht erfolgreiche Leseförderung für die Jüngsten aus: Buxtehuder Kindergartenkinder haben ihr Lieblingsbilderbich gewählt und amchen daraus ein Fest (Foto: ab)

Neue Studie: Jeder fünfte Viertklässer hat Probleme beim Lesen / Das WOCHENBLATT fragt nach

tk. Landkreis. Fast jeder fünfte deutsche Grundschüler in der vierten Klasse kann nicht richtig lesen. Das ist das Ergebnis der aktuellen "Iglu-Studie", die weltweit die Lesekompetenz von Viertklässlern untersucht hat. Bei den vorangegangenen Studien war die Zahl der stark leseschwachen Schüler (2016: 18,9 Prozent) noch geringer. Im Ranking der 57 Ländern, in denen die Untersuchung durchgeführt wurde, liegt Deutschland nur noch im Mittelfeld. Hat das Land der Dichter und Denker bald ein Leseproblem?

Ulrich Mayntz, der in Buxtehude die Grundschule Altkloster leitet, empfindet die jetzt entbrannte deutschlandweite Debatte übertrieben. "Wir sollten die Kirche im Dorf lassen", sagt er. Kein Viertklässler verlasse seine Schule, ohne lesen zu können. Außerdem müsse man hinterfragen, wie viele Kinder, die erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen sind und kaum Deutsch sprechen, bei dieser Analyse Eingang fanden.

Dennoch sieht er grundsätzliche Probleme. Stichwort Digitalisierung: "Kinder lassen sich heute stärker medial berieseln, als dass sie sich ein Buch erlesen." Die Tradition des Vorlesen werde in vielen Elternhäusern spürbar weniger. "Die Kinder sitzen eher am PC", sagt Mayntz.

Martina König, Leiterin der Grundschule in Emmelndorf, weist darauf hin, dass sich die Klassenstruktur in den vergangenen Jahren verändert habe. Und zwar durch Inklusion und den Zuzug von Migranten. Da habe auch Auswirkungen auf die Lesefähigkeit. Für ihre kleine Grundschule nimmt sie in Anspruch, dass alle gut lesen und Texte verstehen können. "Bei jährlichen Überprüfungen sind wir überdurchschnittlich gut." Die Schulleiterin erklärt die negativen Ergebnisse der Studie auch damit, dass sie deutschlandweit erhobene Daten wiederspiegele. "Eine Schule in einem sozialen Brennpunkt kann nicht mit einer Dorfgrundschule verglichen werden."

• Ergebnisse der Studie: Bei der Iglu-Studie 2001 schnitten nur vier Länder besser als Deutschland ab, 2016 sind es 20. Deutsche Viertklässler lesen geringfügig schlechter als der EU-Durchschnitt. Die soziale Herkunft spielt erneut eine zentrale Rolle, was die Lesefähigkeit betrifft: Kinder aus Familien, die zu Hause mehr als 100 Bücher besitzen, sind Altersgenossen aus Familien mit wenigen oder fast keinen Büchern um ein Lernjahr voraus. Von den leseschwachen Schülern bekommt nur ein Drittel zusätzliche schulische Förderung.

Immerhin: 70 Prozent der Grundschüler lesen ein bis zwei Mal pro Woche außerhalb der Schule. Allerdings: 17 Prozent tun das nie. Und Mädchen lesen sehr viel lieber und auch besser als Jungen.

Gute Tipps: So werden Kinder zu Lesefans

(tk). Ulrike Mensching, Leiterin der Buxtehuder Stadtbibliothek, hat Tipps, wie schon
die Jüngsten zu Bücherfans und damit später zu lesefreudigen Schülern werden.
Bücher angucken und Vorlesen könnten mit Kuscheln oder als gemütliche Gute-Nacht-Geschichte ein schönes und wichtiges Ritual werden. "Das fängt im Alter von sechs Monaten an und kann gemeinsam bis über die Grundschulzeit genossen werden," so Ulrike Mensching.

Der Besuch von Veranstaltungen wie Bilderbuchkino.
Alle Büchereien haben immer eine aktuelle Auswahl an altersgerechten Titeln, Vorlese- und Bilderbüchern. "Lassen Sie ihr Kind selbst aussuchen und bestimmen", rät die Expertin.

Auf die Interessen der Kinder reingehen: Eltern sollten Bücher zu Themen anbieten, die den Nachwuchs interessieren und bewegen. Auch Zeitungen und Sachbücher seien gut.

Die Stadtbibliothek Buxtehude - und viele andere Einrichtungen auch - bieten als Geschenk die gelbe "Lesestart-Tasche" an. Bei dieser bundesweiten Aktion gibt es ein kostenloses Bilderbuch sowie einen mehrsprachigen Vorlese-Ratgeber für Eltern.

Und ganz wichtig: "Vorbild sein", sagt Ulrike Mensching. "Wenn Mama, Papa, Oma und Opa selbst regelmäßig mit einem Buch oder einer Zeitung zu sehen sind, fällt das Lesen auch den Kindern leichter." So werden Kinder Lesefans