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Terror in Syrien: "Ich habe Angst, dass meine kleine Schwester versklavt wird"

Yasmin Al Hussin ist manchmal so verzweifelt, wenn die Sorge um ihre Familie übergroß wird, dass sie wünschte, sie wäre selbst wieder in Syrien.

tk. Buxtehude. "Ich habe das Lachen verlernt", sagt Yasmin Al Hussin. Die Frau aus Buxtehude, Mutter von zwei kleinen Kindern, spricht über Dinge, die unmenschlich und im sicheren Deutschland unvorstellbar sind. Ihre Familie lebt im kurdischen Teil Syriens. "Zwei meiner Brüder wurden vor Kurzem von ISIS entführt. Sie wurden gefoltert, sind jetzt aber wieder frei."

Das, was sich auf dem Territorium Syriens und des Irak ereigne, der Terror durch ISIS, sei viel schlimmer als alles, was die Region dort bisl

ang erleiden musste. Auch schlimmer als der Krieg, den Syriens Präsident Assad seit vier Jahren gegen die eigene Bevölkerung führe. Tod und Terror bestimmen den Alltag. Einer ihrer Brüder wollte Brot kaufen. Vor ihm explodierte eine Bombe. In einem der wenigen Telefonate, die überhaupt zu Stande kommen, erzählte er, dass er in diesem Augenblick mit seinem Leben abgeschlossen habe.
Zwei Cousins hat Yasmin Al Hussin verloren. Die jungen Männer, 21 und 22 Jahre alt, wurden von ISIS-Terroristen enthauptet. Eine Cousine hatte sich dem Kampf gegen den Terror angeschlossen. Sie ist gefallen.

"Das sind Verbrecher", sagt Yasmin Al Hussin über die ISIS-Terroristen. Jeder kämpfe gegen jeden. Bisweilen würden westliche Medien jedoch ein falsches Bild des Krieges zeichnen. Nämlich das von islamischen Kämpfern, die überwiegend Christen und Jesiden foltern und töten. "Es sind Muslime, die andere Muslime ermorden", sagt Al Hussin. Mit Religion habe das alles nichts mehr zu tun.

Mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern lebt Yasmin Al Hussin im beschaulichen Buxtehude und engagiert sich für die Integration von Flüchtlingen. Es gibt Tage, an denen ihre Verzweiflung so groß und das Gefühl der Hilflosigkeit so übermächtig wird, dass sie sich wünscht, selbst wieder in Syrien zu sein. "Lieber dort sterben, wenn ich meiner Familie nicht helfen kann." Kraft schöpft sie dann aus der Hoffnung, dass sie Brüder, Schwester und Eltern vielleicht doch noch nach Deutschland holen kann.

Über vieles redet Yasmin Al Hussin ruhig, fast reflektiert. Irgendwann kommt ein Punkt, an dem ihre Verzweiflung und Angst übermächtig werden. Tränen fließen. "Meine größte Sorge ist die, dass meine zwölfjährige Schwester entführt und als Belohnung an die ISIS-Terroristen verkauft und versklavt wird." 60 Euro kostet in Syrien ein Mädchen.