Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Trotz Mangel: Fachkraft darf nicht arbeiten

International steht drauf - eine studierte Pädagogin aus Mexiko darf hier leider nicht arbeiten, weil sie nicht nachweisen kann, dass sie mit Kleinkindern gearbeitet hat. Unverständnis bei Niko Lampio und Carla Ziegler-Scheel vom Lebenshilfe-Kindergarten "Kinderwelt" in Stade-Ottenbeck (Foto: bc)
 
Das Team des Lebenshilfe-Kindergartens "Kinderwelt" in Ottenbeck
bc. Stade. Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Besonders hart trifft es Kindertagesstätten. Hier herrscht oftmals echter Personalnotstand. Umso unverständlicher, dass angesichts der Misere Fachkräften, die arbeiten wollen, Steine in den Weg gelegt werden. Das WOCHENBLATT weiß von einem Fall, bei dem eine studierte Pädagogin aus Mexiko gut ein halbes Jahr mit den Behörden gekämpft hat, um in der Kindertagesstätte „Kinderwelt“ in Stade-Ottenbeck arbeiten zu dürfen. Ein vergeblicher Kampf. „Angesichts der prekären Situation auf dem Arbeitsmarkt muss sich der Gesetzgeber öffnen“, sagt Niko Lampio, Geschäftsführer der Lebenshilfe Stade, Träger des Kindergartens.
Ständig sind er und sein Team auf der Suche nach Erziehern und Sozialassistenten, um die Kinder in Ottenbeck betreuen zu können. Die Kita ist bilingual ausgerichtet, Zweitsprachen sind englisch und spanisch. Eine Pädagogin aus Mexiko, die in ihrer Heimat als Lehrerin und nach ihren Angaben auch mit Kleinkindern gearbeitet hat, wäre ideal gewesen. „Sie hätte sehr gut ins Team gepasst“, so Kita-Leiterin Carla Ziegler-Scheel nach zwei Hospitationen der Ausländerin.
Die Lebenshilfe stellte einen sogenannten Gleichstellungsantrag beim Landesjugendamt, um die mexikanische Ausbildung in Deutschland als Sozialassistenz anerkennen zu lassen - Voraussetzung für eine Ausbildung zur Erzieherin. Zig Zeugnisse wurden übersetzt und beglaubigt, immer wieder wurden Papiere nachgefordert. Letztlich lehnte das Land eine Einstellung ab, weil die Frau schriftlich keine Kleinkind-Erfahrung nachweisen konnte. Ziegler-Scheel ist jedoch überzeugt: „Sie hätte die Aufgabe geschafft.“ Muss der Gesetzgeber vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels da nicht umdenken?
Rund 20 Erzieher und Sozialassistenten arbeiten in der Kita in Ottenbeck. Ständig ist Geschäftsführer Niko Lampio auf der Suche nach neuen Erzieherinnen oder Erziehern. Die Schwierigkeit dabei: Es gibt einfach viel zu wenige. Das Problem teilt er mit vielen Kollegen landauf, landab. Vom Gesetzgeber wünscht er sich mehr Offenheit bei der Neubesetzung. Nicht nur, was die Anerkennung ausländischer Abschlüsse anbelangt, auch der Quereinstieg sollte erleichtert werden.
Niko Lampio nennt ein Beispiel: Seit gut eineinhalb Jahren wartet er auf eine Antwort des Landesjugendamtes zu einem sogenannten Gleichstellungsantrag, den er gestellt hat. Dabei geht es um eine Heilerziehungspflegerin, die seit Jahren in der Krippe der Lebenshilfe als anerkannte Sozialassistentin arbeitet. Lampio möchte, dass ihre Ausbildung aufgewertet wird, damit sie als Erzieherin arbeiten kann. Denn nur Erzieherinnen dürfen Kita-Gruppen leiten. Lampio: „Es wäre hilfreich, wenn die Bearbeitung schneller gehen würde.“ Der Gesetzgeber müsse umdenken und den Kindertagesstätten nicht so viele Hürden in den Weg legen. Denkbarrieren müssten abgebaut werden.
• Über Probleme bei der Besetzung von freien Stellen in Buxtehuder Kindergärten - auch bei der Lebenshilfe - hat das WOCHENBLATT schon mehrfach berichtet. „Wenn sich nicht etwas ändert, werden wir unserem Anspruch von Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht mehr so nachkommen können, wie wir das wollen“, sagt Fachgruppenleiterin Andrea Lange-Reichhardt aus der Stadtverwaltung.
Forderung Nummer eins: Die Ausbildung muss reformiert werden. Angehende Erzieherinnen und Erzieher müssen sofort Geld verdienen. „Solange sich daran nichts ändert, werden wir vor wachsenden Problemen stehen“, so Lange-Reichhardt.