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Umweltschützer zeigen AOS an

Ist der Staub giftig oder nicht? AOS-Chef Volker Richter sagt: "Nein. Er ist ungefährlich" Fotos: privat/Martin Elsen
 
Seit 40 Jahren betreibt AOS die Rotschlammdeponie bei Hammah
Wieder wehte Staub aus der Rotschlammdeponie über Felder / Zweiter Zwischenfall innerhalb kurzer Zeit

bc/tp. Groß Sterneberg. Erneut zogen dichte, rote Nebelwolken über die Geest bei Groß Sterneberg und Hammah. Ähnlich wie schon Anfang des Monats, als eine defekte Beregnungsanlage und ein starker Ostwind dafür sorgten, dass Staub von der Rotschlammdeponie der AOS über die Felder wehte (das WOCHENBLATT berichtete). Damals hatten sich Bürger besorgt an die Behörden gewandt und auch das WOCHENBLATT informiert. Sie haben Angst, dass giftige Stoffe in die Nahrungskette gelangen könnten. Vor etwa einer Woche ist das gleiche nun wieder passiert. Jetzt hat die Arbeitsgemeinschaft Umweltplanung Niederelbe (AUN) Strafanzeige gegen die für den sicheren Betrieb der Deponie verantwortlichen Personen bei der Staatsanwaltschaft Stade gestellt.
"Wir haben die Sorge, dass sich Tonnen von Rotschlammstaub mit eventuell giftigen Schwermetallen auf den Ackerböden niedergeschlagen und erhebliche Umweltschäden verursacht haben könnten", heißt es von Seiten der AUN in der Anzeige.
Am 17. März kam es laut AUN zu dem zweiten Staub-Vorfall innerhalb weniger Wochen. Ein betroffener Landwirt hat entsprechende Proben von mit Staub bedeckten Büschen und mit Gras bewachsenen Böden sowie vom Grabenwasser genommen. Die Sache müsse geklärt werden, darin sind sich die Grünen-Politiker und AUN-Vorstandsmitglieder Udo Paschedag aus Hammah und Ulrich Hemke aus Stade einig.
Beim WOCHENBLATT-Ortstermin auf dem Hof des Landwirtes sagte Hemke mit Blick auf die Verantwortlichen bei der AOS und den Behörden: "Es hapert an Kontrollen." Er wolle genau wissen, welche Pflichten das Industrieunternehmen hat und wer wiederum die AOS diesbezüglich kontrolliert.
Udo Paschedag ergänzte: "Es gibt berechtigte Sorgen, dass in dem Staub gefährliche Stoffe enthalten sind - mit Folgen für die Landwirtschaft und die Wohnbevölkerung in der Umgebung." Jetzt gelte es vor allem, das Restrisiko zu ermitteln.
Der Jurist und ehemalige niedersächsische Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium betont, dass die EU-Kommission 2014 ein neues Abfallverzeichnis in Kraft gesetzt hat. Danach habe Rotschlamm eigene Abfallcodes bekommen, je nachdem, ob er gefährliche Stoffe enthalte oder nicht. Konkrete Analyseergebnisse des Staubs aus der AOS-Deponie lägen der AUN bisher aber nicht vor. Paschedag: "Davon, dass der Staub gefährliche Stoffe enthalten kann, geht die EU-Kommission aber aus." Auch Greenpeace halte den trockenen Staub für gefährlich.
Paschedag und Hemke weisen auf die Rotschlammdeponie im bayrischen Schwandorf hin, die für zig Millionen Euro hermetisch abgedichtet werden musste, da es dort Leckagen gegeben habe. Die AUN stellt die Frage der Zuverlässigkeit des Deponie-Betreibers in Hammah und wie solche Vorfälle künftig vermieden werden können.
AOS-Geschäftsführer Volker Richter sieht der Anzeige - übrigens nach eigenen Angaben seine erste, seitdem er Geschäftsführer der AOS ist - und möglichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gelassen entgegen: "Wir stehen in engen Abstimmungen mit unseren Aufsichtsbehörden. Wenn die Staatsanwaltschaft jetzt die Sachlage prüft, wird sie schon feststellen, ob wir alles richtig gemacht haben", sagt Richter.
Nach Abstimmung mit dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Lüneburg habe die AOS bereits nach dem Zwischenfall Anfang März Proben an ein unabhängiges Institut (Fresenius) geschickt. Die Analyseergebnisse liegen noch nicht vor. Richter weist abermals darauf hin, dass der Rotschlamm als ungefährlich eingestuft worden sei. Bereits seit 40 Jahren betreibe die AOS die Deponie, es gebe regelmäßige Kontrollen. "Andernfalls dürften wir das gar nicht offen deponieren", so Richter.
Die AOS habe mit der Witterung in jüngster Vergangenheit zu kämpfen gehabt: lange, trockene Frostperioden kombiniert mit einem starkem Wind. Derzeit arbeite AOS an einer technischen Lösung, damit einzelne Flächen auf der Deponie nicht mehr zu stark austrocknen. Richter: "Das ist nicht ganz trivial."