Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Vogelgrippe: Stallpflicht gilt unbefristet

Werden infizierte Vögel gefunden, wird ein Sperr- bzw. Beobachtungsgebiet eingerichtet (Foto: Landkreis Stade)
(bc). Geflügelhalter und ihre Tiere müssen sich weiterhin in Geduld üben. In Sachen Vogelgrippe gibt es keine Entwarnung. Im Gegenteil: Damit sich Hausgeflügel nicht bei Wildvögeln mit dem hoch ansteckenden und tödlichen H5N8-Virus anstecken, gilt in den Landkreisen Stade und Harburg nach wie vor eine strenge Stallpflicht - und zwar zunächst unbefristet. Das Gute: Bis auf wenige Ausnahmen halten sich die meisten privaten Tierhalter an die Vorschriften. Die Behörden müssen nur vereinzelt eingreifen.
Anfang der Woche gab es nun weitere Vogelgrippe-Fälle in Niedersachsen. Bei zwei Putenmast-Betrieben in den Landkreisen Cloppenburg und Oldenburg wurde das Virus nachgewiesen. Elf Nutzgeflügelbetriebe sind damit aktuell in Niedersachsen von der Geflügelpest betroffen - mit einer Ausnahme alles geschlossene Putenmastbestände. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums mussten seit November ca. 230.000 Tiere in Niedersachsen getötet werden.
Im Landkreis Stade gab es bisher nur einen Fall von infizierten Reiherenten kurz vor Weihnachten in Nordkehdingen, in dessen Folge ein sogenanntes Beobachtungsgebiet mit noch strengeren Vorschriften definiert wurde.
Im Landkreis Harburg gibt es weiterhin keinen Vogelgrippe-Fall. Auch das Sperr- und Beobachtungsgebiet, das aufgrund eines Falles in Hamburg-Ochsenwerder eingerichtet wurde und von dem die Gemeinden Seevetal und Stelle betroffen waren, ist seit dem gestrigen Freitag aufgehoben. Generell gelten solche Beobachtungsgebiete für einen Zeitraum von 30 Tagen, können aber situativ bedingt verlängert werden.
Das Virus, das höchstwahrscheinlich mit Zugvögeln aus Zentralrussland nach Europa eingeschleppt wurde, sei „krankmachender“ als vor zwei Jahren, als im Landkreis Stade schon einmal vom 27. November 2014 bis zum 12. Februar 2015 eine Stallpflicht angeordnet wurde, sagt Kreisveterinärin Dr. Sibylle Witthöft. Sie hält es angesichts der bundesweit nach wie vor zahlreichen Funde von infizierten Wildvögeln für möglich, dass die Stallpflicht diesmal noch länger andauern könnte.
Eine Situation, die zu Sorge Anlass gibt, wie Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) unserer Zeitung bestätigt. Seit gut zwei Monaten sind Legehennen jetzt schon im Stall eingesperrt, was angesichts der Krankheit völlig richtig sei, so Ripke. Wenn die Stallpflicht jedoch länger als zwölf Wochen bestehen bleibt, müssen laut EU-Vermarktungsordnung Freiland-Eier auf Bodenhaltung umdeklariert werden. Ein immenser Schaden für die Betriebe - ein Verlust pro Ei von ca. drei Cent.
Der ZDG appelliert daher an die Bundesregierung, sich in Brüssel für eine dynamischere Anpassung der Vermarktungsnormen in Seuchenzeiten einzusetzen. Fristen müssten flexibler gehandhabt, Tierseuchen- und Vermarktungsrecht besser aufeinander abgestimmt werden.
Henner Schönecke aus Elstorf ist so ein betroffener Legehennen-Halter. Mit einer einfachen Umdeklarierung von Freiland- auf Bodenhaltungseier sei es nicht getan. Entscheidend sei, wie die Verbraucher darauf reagieren. Noch sei auf dem Markt keine Kaufzurückhaltung zu erkennen. Verstreicht jedoch die 12-Wochen-Frist und gebe es keine Reaktion aus Brüssel, werden die Sorgenfalten bei Schönecke größer: „Das wäre dann schon existenziell bedrohend.“ Im Mittelpunkt stehe aber, dass die Krankheit möglichst schnell bekämpft werde.


Tote Vögel nicht mit der Hand anfassen


Für Menschen gilt das Geflügelpest-Virus als ungefährlich. Dennoch warnt Dr. Sibylle Witthöft, Veterinärin des Landkreises Stade, davor, tote Vögel mit der bloßen Hand anzufassen. Bei engem Kontakt mit infiziertem Geflügel habe es in Asien schon vereinzelt Übertragungen auf den Menschen gegeben. Sollten Bürger tote Greif- und Wasservögel (keine anderen Vögel) finden, sollten sie die jeweiligen Kreisbehörden informieren oder die Tiere mit Handschuhen anfassen und in einer verschlossenen Plastiktüte der Veterinärbehörde überlassen.
Die Tiere werden dann vorsorglich beim Veterinärinstitut des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in Oldenburg untersucht. Wird dort der H5N8-Virus nachgewiesen, werden Proben des Tieres ins Friedrich-Loeffler-Institut auf die Insel Riems geschickt.