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Vor der Abwasser-Pumpstation duftet es nach Duschgel

Stefan Waßmann (re.) und Mathias Heinrich inspizieren die Abwasserpumpen, die neun Meter unter der Erde ihre Arbeit verrichten (Foto: tk)
 
Oben ein Häuschen und darunter geht es in die Tiefe: die größte unterirdische Pumpstation der Stadtentwässerung

Das WOCHENBLATT "unter Tage": Regenrückhaltebecken und Pumpstation unter der Erde besichtigt

tk. Buxtehude. Das unscheinbare, kleine Häuschen steht im Gewerbegebiet am Ostmoorweg in Buxtehude. Hinter einer Tür führt eine Treppe neun Meter in die Tiefe. Entlang der blau gekachelten Wände geht es in Buxtehudes größte unterirdische Pumpstation für Abwasser. Das WOCHENBLATT hat mit Eckhard Dittmer, Stefan Waßmann und Mathias Heinrich von der Stadtentwässerung einen Blick auf zwei Bauwerke geworfen, die sich ganz oder teilweise unter der Erde befinden und die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Neben der Pumpstation auch ein unterirdisches Regenrückhaltebecken.



Die beiden blauen Riesenpumpen am Ostmoorweg können rund 350 Kubikmeter Abwasser in der Stunde bewältigen. Der Schiet wird von dort direkt zum Melkerstieg gepumpt und dann weiter gen Hamburg, das die Entsorgung übernimmt. Dass die Pumpen so viel bewältigen können, ist wichtig, denn hier landet das gesamte Abwasser aus Buxtehudes größtem Gewerbegebiet. In der Stadt fallen pro Tag rund 7.000 bis 8.000 Kubikmeter Abwasser an. Sollte es irgendwo auch nur den kleinsten technischen Defekt an einer der insgesamt 220 Pumpstationen geben, geben, wird sofort Alarm ausgelöst. "Der Notdienst ist an 365 Tagen rund um die Uhr einsatzbereit", sagt Dittmer.

Erstauntlich ist, dass nirgendwo auch nur ein Tröpfchen Schmutzwasser zu sehen ist. Dafür geht es die Treppe wieder rauf und die nächste erneut neun Meter in die Tiefe. In diesem separaten Raum öffnet Mathias Heinrich eine Abdeckplatte. Nur an dieser Stelle kann in dem Pumpenhaus mal ein Blick auf das Abwasser geworfen werden, das noch einige Meter unter dem Keller in einem Becken gesammelt wird. Die Pumpen laufen übrigens nicht im Dauerbetrieb. Sie treten erst dann in Aktion, wenn sich eine bestimmte Wassermenge gesammelt hat.

Überraschend für den Besucher: Im Pumpenhaus mufft es gar nicht und draußen vor der Tür duftet es nach Duschgel. Des Rätsels Lösung: Nebenan produziert Unilever.
Ortswechsel: Dass der kleine Parkplatz am Torfweg neben dem Schulzentrum Süd komplett unterkellert ist, ist ein echtes unterirdisches Geheimnis. Dort befindet sich das einzige unterirdische Regenrückhaltebecken von insgesamt vierzig in Buxtehude und der Samtgemeinde Apensen. Beim Ortstermin herrscht typisch norddeutsches Schmuddelwetter. In der Betonwanne steht daher Wasser und das Betreten ist nicht möglich. Fürs Foto wird das WOCHENBLATT abgeseilt. "Ohne Sicherung darf dort keiner rein", sagt Stefan Waßmann. Und vor dem Betreten wird mit einem kleinen Apparat geprüft, ob sich gefährliche Gase gebildet haben.

Dieses und alle anderen Rückhaltebecken sorgen dafür, dass bei Regen - etwa eine Flut bei Gewitter - der Kanal nicht überlastet wird und dadurch Straßen überschwemmt werden. Wasser fließt durch ein 50 Zentimeter breites Rohr ins Becken aber kann nur durch ein 15 Zentimeter breites wieder heraus. So erfolgt der Abfluss mit einer Zeitverzögerung. Einfach, aber sehr wirkungsvoll. Das Team der Stadtentwässerung verschließt die Platte auf dem Parkplatzboden und Buxtehudes größte unterirdische Kammer versinkt wieder in nachtschwarzer Dunkelheit.