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Wasserrettter in Sorge: Ins Tiefe ohne Freischwimmer

Wasserretter machen sich Sorgen, dass die Zahl der Menschen steigt, die ertrinken. Am Elbstrand in Bassenfleth springen viele Menschen ins Wasser, einen Wachposten gibt es nicht (Foto: bc)
Retter machen sich Sorgen: Viele Flüchtlinge können nicht schwimmen / Appell: "Badet wo wir aufpassen"

tk. Landkreis. "Wir müssen öfter ins Wasser springen als in den Jahren zuvor", sagt ein Badbetriebsleiter aus der Region. Der Grund: Viele Flüchtlinge können gar nicht oder nur schlecht schwimmen und wagen sich trotzdem ins tiefe Wasser. "Seit einigen Monaten sind wir mit diesem Problem konfrontiert", so der Praktiker. Dr. Joachim Heuser, Sprecher der "Deutschen Gesellschaft für das Badwesen" bestätigt: "Das ist bundesweit ein Problem."



Der Praktiker bleibt anonym. denn das Thema ist auch deswegen heikel, weil es nicht nur um Schwimmkünste, sondern auch um kulturelle Unterschiede geht. Als Nichtschwimmer wollen die Betroffenen nur ungern in den entsprechenden flachen Bereich verwiesen werden. Mitunter kommt noch eine Portion Machismo dazu: Nicht vom Dreier zu springen, weil das als Nichtschwimmer gefährlich ist, kommt imagemäßig in Gruppen von jungen Männern nicht so gut an. "An heißen Tagen setzen wir daher soviel Personal ein, das wir alles gut bewältigen können", sagt der Badbetriebsleiter.

Der Praktiker und der Verbandssprecher sind sich einig: Die Probleme können gelöst werden. Der Dachverband hat die wichtigsten Infos in viele Sprachen übersetzt und in vielen Schwimmbädern hängen comicartige Tafeln, die etwa Nichtschwimmer vor dem Sprung ins Tiefe warnen. "Flüchtlinge können unsere Baderegeln ganz einfach lernen", so Heuser. Von Gästen, die die Regeln nicht kennen, könne man auch nicht erwarten, dass sie diese einhalten.

Margret Holste, Sprecherin für den DLRG-Bezirk Nordheide, sieht ein grundsätzliches Problem: Die Zahl der Menschen, die nicht schwimmen können, wächst insgesamt. "Das betrifft Flüchtlinge wie Deutsche", sagt sie. Hinzu kommt, dass Bäder schließen und Trainingszeiten für Gruppen wie die DLRG mancherorts eingeschränkt werden. Ihr Appell an Flüchtlinge und deren Betreuer: "Geht dort baden, wo jemand aufpasst." Sorgen bereiten ihr nicht die Schwimmbäder, sondern unbewachte Seen und Teiche. "Die Ehrenamtlichen können schließlich nicht überall sein."
Viele DLRG-Gruppen bieten bereits Schwimmkurse für Flüchtlinge an, so Holste.

Neben der Manpower, die dafür notwendig ist, fehlt es mitunter aber an Dolmetschern. Und bisweilen kommen kulturelle Unterschiede hinzu: Etwa dann, wenn Frauen jungen Männern das Schwimmen beibringen wollen oder andersherum Trainer Frauen unterrichten.

In manchen Ortsgruppen werde jetzt darüber nachgedacht, Flüchtlinge zu Rettungsschwimmern auszubilden. "Eine gute Idee", findet die DLRG-Sprecherin.