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Wenn der Landkreis aufräumen muss

Werner Marquardt und Sabine Kiehl ärgern sich einmal mehr über die Maße an Müll, die ein ehrenamtlicher Sammler bereits zusammengetragen hat
 
Schuhe, Eimer, Plastikmüll und Flaschen liegen neben anderem Müll im Wald
ab. Buxtehude. Wildmüll - ein Dauerbrenner im Landschaftsschutzgebiet zwischen den Landkreisgrenzen Stade und Harburg im Waldstück zwischen Buxtehude und Neu Wulmstorf. Durch das WOCHENBLATT ins Rollen gebracht, hatte der Landkreis Stade im August 2012 mit einer großen Aufräumaktion versucht, gegen die Vermüllung des Waldgebietes anzugehen. Ganze acht Radladerschaufeln, insgesamt 1,5 Tonnen Müll waren dabei zusammengekommen.
Im September des gleichen Jahres ließen Besitzer und Landkreis sieben Schilder aufstellen, um respektlose Waldbesucher auf einige Regeln hinzuweisen. "Wir sind sehr bemüht, dabei den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden und unser Anliegen freundlich zu formulieren", sagt Abfallberaterin Silvia Kiehl vom Landkreis Stade. Dennoch wurde der Großteil der Bilder von Vandalen inzwischen abmontiert und schlichtweg zerstört. In den vergangenen Jahren hatten sich Landkreis und Besitzer immer wieder getroffen, um gemeinsam den Müll zu beseitigen. Wildmüll verursache laut Kiehl im Landkreis Kosten von jährlich bis zu 250.000 Euro, die letztlich der Steuerzahler trägt. "Es ist unglaublich, was die Menschen alles in den Wald schleppen, um es hier zu entsorgen", sagt Kiehl. Auch der Mitarbeiter des Abfallwirtschaftszentrums Ardestorf Werner Marquardt ärgert sich: Jedes Mal, wenn er in diesem Wald spazieren gehe, würde er neuen Müll finden. Neben leeren Lebensmittelverpackungen, Schuhen, Teilen von Elektrogeräten und verschmutzter Kleidung beunruhigen zwei Funde besonders: riesige Menge leerer Alkoholflaschen und Feuerstellen an kritischen Stellen. Die leeren Flaschen würde wiederholt ein unbekannter Sammler zusammentragen, berichten Kiehl und Marquardt. Der Besitzer sagt, er sei wiederholt bei abendlichen Gängen auf große feierfreudige Gruppen getroffen, die für einen Großteil des Flaschenmülls sorgen würden. Die Feuerstellen befänden sich häufig in der Nähe herabhängender Zweige und könnten leicht einen Brand verursachen. Sogar bis in die beiden kleinen Seen, in denen das Baden verboten ist, schafft es der Müll. Eine Schwimmerin, bei der trotz des Verbotes ein Auge zugedrückt wird, weil sie oft den im Wasser schwimmenden Müll einsammelt, habe sich schon den Titel "Erste Wildmüllschwimmerin Europas" gegeben, erzählt Kiehl ironisch lächelnd.
Die Verantwortlichen in die Pflicht zu rufen sei beinah unmöglich, meint sie. Man könne sie selten erwischen, ebenso wie die Motorradfahrer, die das Landschaftsschutzgebiet gern für ihre Ausfahrten nutzen. Während einer Begehung mit dem Besitzer und den beiden Mitarbeitern des Landkreises tauchen auch prompt zwei Motorradfahrer mit ihren Maschinen auf. Angesichts ihres Publikums drehen sie um und fahren davon. Ihre Kennzeichen konnten sich Kiehl und Marquardt allerdings notieren - für die Umweltsünder dürften die Folgen unangenehm werden.
Das Beste wäre, ein Zaun um das gesamte Gebiet zu ziehen, doch die Landschaftsschutzverordnung spricht sich dagegen aus: Das Gebiet soll Spaziergängern weiter zur Verfügung stehen.
Besucher dürfen sich auch fernab der Waldwege im Landschaftsschutzgebiet aufhalten, allerdings ohne zu grillen oder zu campen. Das Schwimmen in den Teichen ist untersagt, das Eindringen zu Pferde und mit Motorrädern ebenfalls.