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Wie überlebt ein Mensch überhaupt 4,3 Promille?

4,3 Promille: Das entspricht ungefähr der Menge von drei Flaschen Hochprozentigem (Foto: Fotolia/eyetronic)
Nach Rekordwert in Hamburg fragt das WOCHENBLATT bei Experten nach

tk. Landkreis. Die Frau (43) war noch in der Lage, im Hamburger Hauptbahnhof Essen im Restaurant zu bestellen und zu verspeisen. Sie wurde erst zu einem Fall für die Polizei, als sie ihre Rechnung nicht bezahlen wollte. Die Beamten stellten fest: 4,33 Promille beim Pusten. Lebensgefahr! Mit Blaulicht ging es in Krankenhaus.  Wie kann ein Mensch solche Rekordwerte überleben? "Dafür muss man ungefähr drei Flaschen Hochprozentiges trinken", sagt Sabine Auf dem Felde, Leiterin des "Vereins für Sozialmedizin" in Stade. Das WOCHENBLATT hat mit Suchtexperten und Ärzten gesprochen.
Dr. Wolf Rösler ist Internist und Notfallmediziner am Elbe Klinikum in Buxtehude. Er habe es schon erlebt, dass ein Patient mit sechs Promille Atemalkohol noch gerade vor ihm stehen konnte.  "Ab einem Blutalkoholpegel von mehr als vier Promille endet die Trinkerei aber oft tödlich", sagt er. Ab einem Wert von 2,5 Promille könne der Betroffene schon in einen narkoseähnlichen Zustand fallen.
Wolfram Meier, Suchtberater beim Diakonieverband Buxtehude-Stade: "Wer über Jahre trinkt, verschiebt die Toleranzgrenze nach oben." Der Körper, der eigentlich auf diese Alkoholmengen Abwehrreaktionen zeigt, sei an solche Pegelstände gewöhnt. Langjährig Abhängige würden oft mit mehr als drei Promille in ihrem Alltag leben.
Zum Vergleich: Werde ein Autofahrer mit einem Wert von 1,6 Promille aus dem Verkehr gezogen, gehen Gerichte schon vom Verdacht einer Alkoholerkrankung aus, so Meier.
Sabine Auf dem Felde spricht bei 4,33 Promille von einem "Ausnahmewert". Weil das nur mit einer Toleranzentwicklung beim Trinken funktioniere, könne niemand, der nicht alkoholkrank sei, an solche Grenzen herankommen. In ihrer Arbeit habe sie schon mit Klienten zu tun gehabt, für die zwei Flaschen Wodka und ein Kasten Bier die tägliche Normalration waren.
Für den Arzt Wolf Rösler sind Patienten mit 3,8 bis 4,5 Promille keine Seltenheit. Bei einer akuten sogenannten Alkoholinoxikation müsse sofort entschieden werden, ob der Betroffene intensivmedizinisch oder auf einer normalen Station betreut werden müsse. Erfreulich sei, dass die Zahl jugendlicher Komasäufer spürbar rückläufig sei. Was nicht abnehme: "Die Folgen von Alkoholmissbrauch." Das reiche von Leberzirrhose bis hin zu Knochenbrüchen als Folge von Stürzen. Und, das ist eine Begleiterscheinung des Trinkens, die Sabine Auf dem Felde im Blick hat: "Alkohol senkt mitunter die Hemmschwelle und manche Menschen werden gewalttätig." Die Hamburgerin ließ sich laut Polizeimeldung aber ohne Widerstand ins Krankenhaus bringen.