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A26-Zubringer in Buxtehude: Ein Gutachten jagt das andere

Der Ausbau der K40 (Foto) mit drei Meter hohen Lärmschutzwänden schneidet laut eines Verkehrsgutachtens am besten ab
bc. Buxtehude/Stade. Die Stadt Buxtehude braucht eine Autobahnabfahrt, alles andere wäre ein Schildbürgerstreich. Soweit ist sich die Politik fast geschlossen einig. Wie der Zubringer zur A26 jedoch aussehen soll, darüber wird seit Jahrzehnten gestritten. Die Gretchenfrage: Ausbau der Rübker Straße (K40) oder Neubau einer Umgehung?
Auch das am Donnerstag im Bauausschuss des Landkreises Stade vorgestellte Verkehrsgutachten brachte die Mitglieder nur bedingt weiter. Zwar schneidet darin die K40 als Zubringer insgesamt am besten ab, grundsätzlich sind aber auch verschiedene Umgehungsvarianten denkbar.

Einhellige Meinung unter den Bauauschuss-Mitgliedern: Wir brauchen noch ein Gutachten! Diesmal ein juristisches. Antragsteller Ulrich Hemke (Grüne): "Eine Umgehung ist rechtlich nicht haltbar." Auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises ist nach Angaben von Kreisbaurat Hans-Hermann Bode skeptisch, wie die juristische Bewertung einer Umgehung aussieht.

Hintergrund: Alle geplanten Umgehungstrassen von der K40 bis zum Ostmoorweg haben in irgendeiner Form Auswirkungen auf das EU-Vogelschutzgebiet "Moore bei Buxtehude", egal wie kurvenreich oder nicht sie an dem sogenannten Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) vorbeiführen. Hemke: "Landrat Michael Roesberg hat immer betont, dass eine Umgehung juristisch nur möglich ist, wenn es keine Alternativen gibt. Die gibt es aber."

Auf das von Verkehrsgutachter Dietrich Fornaschon vorgestellte Papier, das generell zu dem Schluss kommt, dass eine Umgehung aufgrund der "geringen Flächenverluste" im FFH-Gebiet möglich ist, will sich die Kreispolitik nicht verlassen.

Insgesamt 13 unterschiedliche Zubringer-Varianten wurden in dem Verkehrsgutachten untersucht. Es kristallisieren sich im Kern zwei politisch umsetzbare heraus: der vom Landkreis präferierte Ausbau der K40 inklusive drei Meter hoher Lärmschutzwände und einer Ampelkreuzung an der Harburger Straße (Kosten: 14,1 Mio. Euro) oder eine Umgehung mit Turbokreisel am Ostmoorweg, bei der die K40 abgehängt wird (Kosten: je nachdem, ob die Bahnlinie mit einer Brücke oder einem Tunnel gequert wird, zwischen 18,6 und 41,5 Mio. Euro). Im letzteren Fall würde die K40 in eine Art Dornröschenschlaf versinken - für die Anwohner eine traumhaft schöne Vorstellung.

Die von den Grünen seit Jahren immer mal wieder ins Spiel gebrachte Nullvariante - sprich gar keine A26-Abfahrt in Buxtehude - wurde am Donnerstag erneut abgelehnt. Auch die Varianten "Umgehung plus Rübker Straße mit oder ohne Tempolimit und Gewichtsbeschränkungen" scheinen angesichts der unvermindert hohen Belastung für die Anwohner an der K40 eine untergeordnete Rolle zu spielen. Grund: Trotz prognostizierten doppelten Verkehrsaufkommens sind bei diesen Varianten keine Lärmschutzwände an der K40 vorgesehen.

SPD-Mann Harald Stechmann vermutet, dass in jedem Fall geklagt wird - egal, wie die Entscheidung ausfällt. Letztendlich wird ein Gericht über den Zubringer urteilen.

Die politische Mehrheit in Buxtehude favorisiert eine Umgehung. FWG-Politiker Uwe Arndt im Kreis-Bauausschuss: "Dann muss Buxtehude auch bereit sein, die Mehrkosten zu bezahlen."

Wieviel eine Umgehung im Endeffekt kosten wird, kommt auch auf die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern an. Laut Kreis sind das neun unterschiedliche Eigentümer. Kreisbaurat Bode: "Der Grunderwerb wird erheblich Zeit in Anspruch nehmen."

Bauausschuss-Mitglied Hans-Albert Kusserow (CDU) aus Buxtehude ist ein Verfechter der K40 als Zubringer: "Wir planen seit 40 Jahren die K40."

SPD-Frau Astrid Bade sieht das anders: "Mit geht es um die Anwohner an der K40. Der Faktor Mensch fehlt mir in der Betrachtung des Gutachtens."

Auf politische Empfehlung soll nun zunächst ein Naturschutzrechtler seine Einschätzung zum Eingriff ins FFH-Gebiet abgeben. Darüber hinaus soll der Kreis eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung als zusätzliche Entscheidungsgrundlage durchführen.

Harald Stechmann merkte abschließend an: "Ob wir mit einem weiteren Gutachten schlauer sind, bezweifle ich. Ich sehe schon das übernächste auf uns zukommen."