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Ärger in Bützfleth: Kopfschütteln über "Strabs"

Anwohner Tim Ratajczak zeigt auf eines von hunderten Schlaglöchern im Borsteler Weg (Foto: bc)
Straßenausbau-Beitragssatzung: Ein weiteres Beispiel für die "Ungerechtigkeit" der aktuellen Regelung

bc. Stade-Bützfleth. Wenn schon der ansonsten für seine eher moderaten Töne bekannte Ortsbürgermeister von Stade-Bützfleth, Sönke Hartlef, von Unsinn und Ungerechtigkeit spricht, dann muss an der Kritik irgendetwas dran sein. Es geht einmal mehr um die extrem umstrittene Straßenausbau-Beitragssatzung (Strabs).
Gut 20 Anwohner sollen für die Sanierung des Borsteler Weges in Bützfleth zahlen: insgesamt 260.000 Euro. Im Prinzip ist der Weg eine Sackgasse, die in die Feldmark führt und die seit Jahrzehnten unter den Lasten der immer schwerer werdenden landwirtschaftlichen Fahrzeuge zu leiden hat. Hartlef: "Ich habe großes Verständnis für das Unverständnis der Anwohner."
Das, was viele Nachbarn als besonders ungerecht empfinden, ist die Tatsache, dass nicht alle zahlen müssen, die den Borsteler Weg benutzen, um zu ihrem Haus zu kommen. Diejenigen, die in den kleinen Seitenstraßen wohnen, die vom Borsteler Weg abzweigen, sind befreit. Anlieger Tim Ratajczak ist nicht betroffen von der Strabs, setzt sich aber trotzdem für seine Nachbarn ein: "Dass nur diejenigen bezahlen sollen, die einen direkten Zugang zur Straße haben, finde ich einfach ungerecht." Das zeige, dass die Satzung so nicht funktioniere.
In dem Zusammenhang gibt es ein besonders krasses Beispiel: Zwei Häuser, die sich gegenüber liegen, haben keine Zufahrt vom Borsteler Weg, sondern sie sind von einer Seitenstraße zu erreichen. Das eine Grundstück ist durch eine Hecke vom Borsteler Weg abgegrenzt, das andere durch einen Graben. Weil ein Graben ein sogenanntes unüberwindbares Hindernis darstellt, muss dieser Hausbesitzer nicht für die Sanierung bezahlen, der andere mit der Hecke schon.
Dass der Borsteler Weg sanierungsbedürftig ist, ist angesichts der vielen Schlaglöcher keine Frage. Allerdings stellt sich den Bürgern eine große andere Frage: Wer ist dafür überhaupt verantwortlich? Für Wolfgang Ehlers, der sich als Sprecher der Gruppe FDP/UBLS/Piraten im Stader Rat sehr für die Abschaffung der Strabs einsetzt, ist die Antwort logisch.
"Der Borsteler Weg soll auf Kosten der Anlieger mit einem Anteil von ca. 8,50 Euro pro Quadratmeter so ertüchtigt werden, dass auch landwirtschaftlicher Schwerlastverkehr möglich ist." Das bedeute konkret, so der Bützflether, dass die Bürger dafür bezahlen müssten, dass Landwirte und Lohnunternehmer mit riesigen Gülletransportern und Maisernte-Fahrzeugen, weitergedacht und überspitzt formuliert, "ihnen die Häuser kaputtfahren".
Anfang 2019 will die Stadt den Borsteler Weg sanieren. Zuvor soll schon eine kleine Brücke in dem Bereich erneuert werden. Dafür will die Stadt aber kein Extra-Geld von den Anwohnern haben.