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Altstadtverein und Politik (noch) nicht auf einer Linie

Christoph Frenzel und Robert Kamprad (hinten v. li.) wollten im Wirtschaftausschuss für den Zuschuss an den Altstadtverein werben (Foto: tk)
Erneut Debatte über Zuschussantrag und die Bilanz des vergangenen Jahres

tk. Buxtehude. Es gab kürzlich viel Lob im Buxtehuder Wirtschaftsausschuss für den Altstadtverein: "Tolle Arbeit, super Veranstaltungen." Doch die Anerkennung war ein zweischneidiges Schwert: Teile der Politik kritisierten den Altstadtverein gleichzeitig dafür, dass er städtische Gelder benötigt, seine Buchführung aber bislang nicht bis auf den letzten Cent offengelegt habe. Das sei "intransparent", meinte Astrid Bade (SPD). Grund für die Notwendigkeit der Zuschüsse sind Stadt- und Weinfest, die regelmäßig ein Defizit erwirtschaften. Was mit Blick in die Zukunft jedoch die größte Tragweite haben dürfte: Erstmals wurde laut darüber nachgedacht, ob die beiden Veranstaltungen nicht unter der Regie der Stadt über die Bühne gehen sollten.

Darum geht es: Der Altstadtverein bekommt seit 2017 erstmals städtische Fördergelder. 20.000 Euro als fester Zuschuss und 55.000 Euro als maximale Ausfallbürgschaft. 40.000 Euro seien 2017 bislang ausgezahlt worden, erklärte Torsten Lange seitens des Buxtehuder Stadtmarketings. Auch 2018 möchte der Altstadtverein wieder die 75.000 Euro bekommen. Bislang stehen 60.000 Euro im Haushalt und 15.000 Euro sind mit einem Sperrvermerk versehen.
"Das ist viel Geld, wir brauchen mehr Transparenz", meinte Astrid Bade. Und Fraktionskollege Alexander Paatsch versteht nicht, warum der Altstadtverein bei den Haushaltsberatungen erst 60.000 und später 75.000 Euro Zuschuss beantragte. Stefan Schilling kritisierte, dass es jedes Jahr Miese gebe. "Auf Dauer können wir das nicht ausgleichen."

Robert Kamprad, sowohl Vorstandsmitglied im Altstadtverein als auch CDU-Ratsherr, betonte: "Wir haben nichts zu verbergen." Allein das Stadtfest habe ein Minus von 7.800 Euro produziert. Gründe dafür sind laut Vorstandsmitglied Christoph Frenzel unter anderem gestiegene Kosten für ein Sicherheitskonzept und mehr Security. Außerdem sei es wichtig, ein hohes Qualitätsniveau zu halten. So wurde in der Politik hinterfragt, warum es ein teurer Auftritt von Lotto King Karl am Stadtfest-Freitagabend sein musste. "Ein absoluter Publikumsmagnet", erklärte Frenzel.
Den Vorwurf der Intransparenz weist er nach der Sitzung auf WOCHENBLATT-Nachfrage entschieden zurück: Die Verwaltung habe im Vorfeld erklärt, dass eine detaillierte Abrechnung über die beiden großen Feste ausreiche. Natürlich werde die gesamte Bilanz nachgereicht.

Die Debatte über den Zuschuss für den Altstadtverein wird noch mindestens eine Runde weitergehen. Und das Thema, wer managt künftig die beiden größten Feste in Buxtehude, nimmt erstmals Fahrt auf. Sowohl Maik Julitz (AfD) als auch Michael Lemke (Grüne) überlegten, ob der Altstadtverein nicht von den beiden Veranstaltungen "befreit" werden könnte, die dann dem Stadtmarketing übertragen werden könnten. Der Altstadtverein sollte die Rolle eines Beraters haben, so Lemke. "Das Stadtmarketing ist keine Eventagentur", sagte Torsten Lange dazu.
In Stade ist dieser Weg schon weit fortgeschritten. Dort hat die Stadt die Regie der großen Veranstaltungen übernommen, nachdem die finanziellen Dimensionen für das "Aktuelle Stade" zu groß geworden waren.

KOMMENTAR

Es gibt kein geschriebenes oder ungeschriebenes Gesetz, dass Stadt- und Weinfest vom Altstadtverein organisiert werden müssen. Weil es bei diesen beiden wichtigen Veranstaltungen auch kein Denkverbot geben darf, ist die Diskussion darüber, wer künftig Organisator ist, richtig und wichtig.

Es sollte aber über ein paar sehr entscheidende Dinge nachgedacht werden. Die Mitglieder im Vorstand des Altstadtvereins wuppen zwei Riesenveranstaltungen ehrenamtlich. Das kostet die Stadt keinen Cent extra. Es würde als Alternative nicht funktionieren, dem Stadtmarketing zu sagen "jetzt macht ihr mal"!

Mehr Personal müsste her. Das wäre dann bei der Stadt - oder im Fall einer anderen Konstruktion bei einer kommunalen Veranstaltungstochter - angestellt und kostet Geld. Angesichts der Haltung einiger in der Politik, den Altstadtverein nicht dauerhaft mit 75.000 Euro zu subventionieren - unterm Strich wäre diese Lösung daher vermutlich deutlich teurer.

Hinzu kommt: Im Wirtschaftsausschuss gibt es den klar erkennbaren Trend, das Stadtmarketing und seinen Beirat an einer möglichst kurzen Leine zu halten. Die (überflüssige) Idee, dass die Politik über die Besetzung des Beirates entscheidet, ist dafür nur ein Beispiel.

Außerdem habe ich die Befürchtung, dass manche Mitglieder im Wirtschaftsausschuss ganz plötzlich zu Musik- und Eventmanagern mutieren und ein preisgünstiges "Programm der Extraklasse" fürs Stadtfest planen wollen. Freitagabend die "Stieglitze" als "Headliner" um 17 Uhr und am Samstagabend eine Top-40-Band. Auch beim Programm gilt wie beim Personal: Es kostet Geld, wenn es gut werden soll.
Tom Kreib