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Aus für Minideiche: Hochwasserschutz in Buxtehude wird jetzt neu gedacht

Das ist vom Tisch: Mit solchen Minideichen sollte die Innenstats geschützt werden. Dagegen liefen Tausende Buxtehuder Sturm (Foto: archiv)
Minideiche sind vom Tisch und Wasserrückhaltung wird wohl der beste Weg

tk. Buxtehude. Offiziell ist es noch nicht, aber der Bau von Minideichen und Spundwänden in Buxtehude ist wohl endgültig vom Tisch. In Gesprächen mit Stadt, Deichverband und NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) soll seitens der Behörde der bemerkenswerte Satz gefallen sein, dass die ursprünglich geplanten Minideiche mitten im Stadtgebiet mittlerweile auf Bordsteinhöhe geschrumpft seien. Damit ist der Weg für eine andere Form des Hochwasserschutzes frei.

Die Neuausrichtung des Hochwasserschutzes ist das Ergebnis einer Neuberechnung der erwartbaren Wassermassen in der Este. Dadurch sind die potentiellen Überschwemmungsgebiete in Buxtehude auf ein Minimum geschrumpft. Wenn eine Überflutung durch Starkregen in einer Stärke droht, wie es rechnerisch alle 100 Jahre geschieht, sollen nur noch zwei kleinere Innenstadtflächen bedroht sein.  Unter anderem ein Bereich in den Vivergärten.

Das Thema Deichbau in Buxtehude war einer der größten Streitpunkte in den vergangenen Jahren. Mit Unterschriftenlisten gingen Tausende Bürger dagegen an. Daher wollen die, die damit zu tun hatten und haben, noch keine offiziellen Statements abgeben. Der Wunsch, noch nicht offiziell zitiert zu werden, hat zudem noch einen anderen Grund: Der Hochwasserschutz an der Este, der den Deichbauplänen folgt, ist ein kompliziertes Unterfangen, bei dem sehr viele Akteure an einen Tisch müssen. Unter anderem der Landkreis Harburg und die dortigen Esteanrainer-Gemeinden.

Wie es jetzt weitergeht, scheint aber klar zu sein: Beim "Klee"-Projekt (Klimaanpassung Einzugsgebiet Este) wurden bereits konkrete Vorhaben in groben Zügen geplant. Ein Teil des sehr umfangreichen Maßnahmenkatalogs könnte jetzt umgesetzt werden.

Als Sofortmaßnahme wäre etwa eine erneute Ausbaggerung der Este unterhalb des Graniniwehrs denkbar. Dadurch würde der Fluss bei Starkregen deutlich mehr Wasser aufnehmen können. Anschließend müsste mit vielen Partnern der Weg beschritten werden, der Experten als beste Möglichkeit gilt: Retention, also Wasserrückhaltung vor allem im Oberlauf der Este. Das könnte zum Beispiel durch miteinander vernetzte Überflutungsflächen geschehen, die teilweise auch auf dem Gebiet des Landkreises Harburg liegen würden.

Von Maßnahmen im Oberlauf würden auch die Unterlieger von Estebrügge bis Cranz profitieren. Dort war die Kritik an den Buxtehuder Deichbauplänen ebenfalls laut geworden. Das Wasser, das in Buxtehude nicht über die Ufer getreten wäre, hätte für Land unter im Unterlauf gesorgt.

Der Ansatz bei der Wasserrückhaltung: Die Hochwasserwelle auf der Este durch Starkregen, die zum Beispiel bei Moisburg beginnt, wird sozusagen in die Länge gezogen, verzögert sich und verliert dadurch an Höhe. Das Wasser käme in der unteren Este laut Klee-Berechnungen um einen halben Meter niedriger an.

Einer, der mit dem Thema zu tun hat, aber bei diesem frühen Diskussionsstand noch im Hintergrund blieben möchte: "Wir müssten jetzt ganz schön dicke Bretter bohren." Alle Akteure müssen nicht nur an einen Tisch, Ziel müsse es sein, schnellstmöglich einen gemeinsamen Unterhaltungsverband zu gründen. Und dann müssen auch die privaten Grundeigentümer überzeugt werden, deren Flächen überflutet werden könnten. Das war beim Horneburger Bullenbruch-Polder ein Jahre dauernder Überzeugungsprozess. Den gordischen Knoten durchschlagen hätte erst das neue Führungsteam beim Deichverband. Miteinander reden, lautete die erfolgreiche Zauberformel.