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Bei "112" wird alles bezahlt

tk. Harsefeld. Für welche Dinge muss die Solidargemeinschaft aller Menschen aufkommen, die Krankenkassenbeiträge zahlt? Und: Sorgt ein Fehler im System vielleicht dafür, dass unnötig Gelder verschwendet werden? Darum geht es: Wer mit den Rettungswagen in die Notfall-Ambulanz gebracht wird, bezahlt nichts. Wenn der Nachbar die Tour übernimmt, gibt es keinen Cent Erstattung.

Der aktuelle Fall: Paul L. (83) aus Harsefeld bekam am vergangenen Wochenende nach einer Augen OP Blutungen. Sein Nachbar brachte ihn in die Notfall-Ambulanz des Buxtehuder Elbe Klinikums. Dort wurde er behandelt und weiter zum UKE geschickt, weil dort ein Augenarzt Notdienst hatte.

Paul Ls. Nachbar kutschierte den Senior und bekam dafür von dem Harsefelder für rund 140 gefahrene Kilometer 50 Euro Spritgeld. Die wollte L. von seiner Krankenkasse, der DAK, wiederhaben. Aus beiden Notfall-Ambulanzen hatte er eine Bestätigung, dass er mit seinem Augen-Problem dort war. Er bekam die Summe aber nicht zurück. "Hätte ich die 112 gewählt, hätte die Krankenkasse gezahlt", kritisiert Paul L..

DAK-Sprecher Sönke Krohn bestätigt, dass L. in der Tat keinen Anspruch auf Erstattung habe. Fahrten zur ambulanten Behandlung würden nur in Ausnahmefällen ersetzt. Etwa bei Strahlentherapie oder Dialyse.

Richtig sei aber auch, dass die Fahrt im Rettungswagen - eine Tour kostet rund 500 Euro - von der Kasse übernommen worden wäre. Vermutlich wäre die Fahrt zum UKE - und zurück nach Hause - anschließend als Krankentransport erfolgt - und ebenfalls bezahlt worden.

KOMMENTAR: IST DAS IRRSINN MIT METHODE?


Wir haben den Anspruch, dass für alles irgendwer aufkommen muss. Die Solidargemeinschaft wird es schon übernehmen. Dinge wie Nachbarschaftshilfe - ohne Anspruch auf Entgelt - sind ein Auslaufmodell. Das ist beklagenswert. Einen Fall, wie den, der kürzlich im WOCHENBLATT geschildert wurde, dass eine Frau, die ihren Mann zur Strahlentherapie fährt und von der Krankenkasse den Kilometer-Satz wie ein Taxiunternehmen haben will, macht mich wütend.
Fehler im System machen das Anspruchsdenken allerdings auch zum Regelfall. Was für ein Irrsinn: Wer sich vom Nachbarn in die Ambulanz fahren lässt, bekommt keinen Cent erstattet. Wer die 112 ruft, fährt auf Kosten seiner Krankenkasse.

Tom Kreib