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Bei der SPD brennt die Luft

Das Image der SPD im Landkreis Stade bröckelt (Foto: MSR)
bc. Stade. Die SPD im Landkreis Stade gibt vor den anstehenden wichtigen Wahlen für Bundestag (24. September) und Landtag (14. Januar 2018) kein gutes Bild in der Öffentlichkeit ab. Sowohl im Südkreis, als auch im Norden brennt an der Basis die Luft. Gift für die Kandidaten.
Frontfrau Petra Tiemann, Vize-Fraktionsvorsitzende im Landtag und Vorsitzende des SPD-Unterbezirks, war nach eigenen Worten schlichtweg erschüttert, als sie am vergangenen Sonntag in ihre Mails schaute. Acht Vorstandsmitglieder waren ohne große Vorwarnung aus dem Buxtehuder Ortsverein zurückgetreten (das WOCHENBLATT berichtete). Heftige Dissonanzen mit dem Vorsitzenden Alexander Paatsch gaben den Ausschlag.
Insbesondere der Zeitpunkt des Eklats ist mehr als unglücklich. Paatsch kandidiert für den Landtag, braucht eigentlich jedwede Unterstützung, um gegen den favorisierten CDU-Mann Helmut Dammann-Tamke bestehen zu können. Tiemann macht keinen Hehl daraus: „Unser Kandidat ist angeschlagen.“
Für sie geht es jetzt um Schadensbegrenzung: „Wir müssen die Fragen klären: Wo liegt überhaupt der Disput? Und: Wie bekommen wir wieder Ruhe rein?“
Donnerstagabend traf sich Tiemann mit dem Buxtehuder SPD-Vorstand zur Aussprache. Auch die Zurückgetretenen waren dabei. Tiemann: „Es ging uns darum, die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen.“ Vor allem im Hinblick auf den Wahlkampf. Ein Kandidat ohne Unterstützung aus den eigenen Reihen stehe von vornherein auf verlorenem Posten.
Eine Idee, die auf der nächsten Vorstandssitzung - voraussichtlich Anfang Juli - diskutiert werden soll: Paatsch bleibt Vorsitzender, konzentriert sich aber auf den Wahlkampf, die Rücktrittler machen vorerst kommissarisch weiter.
Der öffentlich ausgetragene Zoff in Buxtehude ist keine gute Werbung für den hiesigen SPD-Bundestagskandidaten Oliver Kellmer aus Stade. Der allerdings gibt sich betont gelassen: „Ich lasse mich dadurch nicht beeinflussen.“ Er vertraut auf Tiemanns Vermittler-Fähigkeiten als Mediatorin.
Diese Fähigkeiten sind nach ihren eigenen Angaben im Fall der Nordkehdinger SPD aktuell nicht gefragt. Denn auch hoch oben im Landkreis gibt es Streit. Statt mit politischen Inhalten zu glänzen, sind es zwischenmenschliche Probleme, die sich nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr aufgetan haben.
So legte jüngst der Ortsverein dem Samtgemeinderats-Mitglied und Wischhafener Ratsherrn Jürgen Ehlers nahe, von seinen Mandaten zurückzutreten. Erst vor kurzem gab SPD-Frau Martina Pfaffenberger ihre Ämter ab, unter anderem auch weil sie mit dem offenbar übereifrigen Ehlers (und mit Christian Otten) nicht vertrauensvoll zusammenarbeiten kann.
Ortsvereinsvorsitzender Jonny Röndigs ist extrem unglücklich über die Situation: „Solche Querelen sind nicht hilfreich in einem Wahlkampf. Etwas Schlimmeres gibt es eigentlich nicht. Ich lasse mir den Ortsverein nicht kaputtmachen.“ Die Fraktion soll nun entscheiden, wie es weitergeht. Auch ein Fraktionsausschluss von Ehlers scheint möglich zu sein.
Petra Tiemann sieht die Lage in Nordkehdingen relativ entspannt: „Dass sich eine Fraktion nach der Wahl zusammenraufen muss, ist normal.“
Wie entspannt die Wähler die Lage der SPD beurteilen, wird sich dann spätestens bei den anstehenden Wahlen zeigen.