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Christlicher Glaube im Asylverfahren: Interview mit Superintendent Dr. Martin Krarup

Superintendent Dr. Martin Krarup (Foto: tk)

Wird Religion missbraucht? Interview mit Superintendent Dr. Krarup

tk. Buxtehude. Wird Religion mitunter missbraucht, weil ein christlicher Glaube von Flüchtlingen in einem Asylverfahren die Bleibeperspektiven verbessert? Hintergrund: In der vergangenen Woche wurde eine Schleuserbande hochgenommen (das WOCHENBLATT berichtete). Sie bereitete Flüchtlinge mit gefälschten Lebensläufen auf das bürokratische Prozedere in Deutschland vor. Dabei, davon sind die Ermittler überzeugt, wurde der christliche Glaube hinzu gedichtet. Ein Fall spielt auch in Düdenbüttel. Das WOCHENBLATT hat dazu mit Buxtehudes Superintendent Dr. Martin Krarup gesprochen.



WOCHENBLATT: Ist Ihnen persönlich ein Fall bekannt, bei dem Geflüchtete den christlichen Glauben angegeben haben, um einen Vorteil im Asylverfahren zu erlangen?

Dr. Martin Krarup: Nein. Bei den Personen, die ich in meinem bisherigen Dienst kennengelernt habe, habe ich keine Anhaltspunkte dafür erhalten, dass der Glaube nur „gespielt“ war.

WOCHENBLATT: Läuft die Institution Kirche Gefahr, missbraucht zu werden?
Krarup: Ja, diese Gefahr besteht. Natürlich hoffen wir bei jedem Taufbewerber, dass seine Entscheidung für den christlichen Glauben ernsthaft ist - und diese Frage stellt sich nicht nur bei Asylbewerbern. Grundsätzlich sind die christlichen Gemeinden aber natürlich für alle offen, die Interesse am christlichen Glauben zeigen.

WOCHENBLATT: Lässt sich Glauben überhaupt überprüfen bzw. muss es eine Art Überprüfung geben?

Krarup: Da die Konfession Relevanz im Verfahren haben kann, muss sie natürlich auch überprüft werden. Das darf aber aus Sicht der Kirchen nur so weit gehen, dass die Asylbewerber darlegen, wie sie ihren Glauben praktizieren und dazu Fragen beantworten. Der Staat kann weder beurteilen, wann jemand dem christlichen Glauben anhängt, noch im engen Sinn Glaubensüberzeugungen überprüfen - das kann ich im Übrigen auch als Pastor nicht. Bescheinigen kann ich solchen Bewerbern, dass und wie sie an unserem Gemeindeleben teilnehmen.
WOCHENBLATT: Auch in den Gemeinden des Kirchenkreises Buxtehude sind Flüchtlinge aktiv am Gemeindeleben beteiligt. Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt?

Krarup: Sehr unterschiedliche. So unterschiedlich wie die Wege, auf denen ein solches Engagement entsteht. Manche syrische Christen haben zunächst einmal Kontakt zu einer christlichen Gemeinde gesucht. Unter ihnen sind solche, die sich irgendwann doch in einer syrisch-orthodoxen Gemeinde heimischer fühlen. Manche Iraner haben in der Gemeinde hier ein Stück neuer Heimat gefunden und beteiligen sich sehr regelmäßig. Andere sieht man nur wenige Male. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass viele in den letzten Monaten innerhalb von Deutschland umgezogen sind.