Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Der Rat sollte sich freuen, dass Buxtehuder Bürger kritisch sind

Lassen wir einfach mal die eine oder andere Entgleisung der jüngsten Ratssitzung außer Acht: Die Buxtehuder Politiker könnten sich eigentlich freuen: Ihre Wähler sind alles andere als frustrierte Wahlstimmen-Abgeber, die vielleicht bei der nächsten Kommunalwahl zu Hause bleiben. Die Themen A26-Klage oder der Hochwasserschutz machen politisch mobil.
Zugegeben - ein gewisses Maß an Höflichkeit muss auch bei Streitthemen gewahrt werden. Aber: Wer als Normalbürger mit den Gepflogenheiten politischer Sitzungen nicht vertraut ist, kann schlichtweg nicht verstehen, dass er sein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung nicht in einem demokratisch gewählten Gremium kundtun darf. Der freundliche gemeinte Hinweis, dass es sich um eine Fragestunde und keine Meinungsäußerungsstunde handelt, wirkt wie ein bürokratischer Argumentations-Totschläger. Und mit einem Befehl "setzen oder rausgehen" zu reagieren, ist neben der Spur - und zwar komplett. Wer Sitzungen leitet, braucht Souveränität.
Spannend, dass binnen weniger Wochen zwei Mal Bürger- und Politikerinteressen bei Ratssitzungen aufeinandergeprallt sind. Dass bei der letzten und heftigen A26-Debatte via Facebook direkt berichtet wurde, teils auch mit Fotos, stieß manchem altgedienten Rats-Recken sauer auf. Das gab es noch nicht, als die, die seit Jahrzehnten auf ihren Polit-Sesseln verwurzelt sind, zum ersten Mal politisch aktiv wurden. Lernen ist angesagt. Und das nicht nur bei den Bürgern, sondern genauso bei den Gewählten.
Und: Wer jetzt klagt, dass kritische Bürger mit abweichenden Ansichten den Rat stürmen, sollte sich in nie mehr beklagen, dass die Wähler nur kommen, wenn es um Straßenausbaubeiträge vor ihrer Haustür geht.
Tom Kreib