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Die Sorgen der Berufsschulen

Diskutierten über die Berufsausbildung in Niedersachsen: Heiner Scholling (Grüne, v.li.), Christoph Bratmann (SPD), Moderator Heinz Sandbring (BBZ Bad Segeberg), Kai Seefried (CDU) und Björn Försterling (FDP) (Foto: bc)
bc. Stade. Über die Sorgen und Nöte der Berufsschulen in Niedersachsen ging es in einer Podiumsdiskussion am Mittwoch in den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Stade. Die bildungspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen diskutierten im Rahmen einer Mitgliederversammlung des Berufsschullehrerverbandes Niedersachsen insbesondere über die Sinnhaftigkeit der zentralen Stellenbewirtschaftung im Kultusministerium in Hannover, die die rot-grüne Landesregierung 2014 wieder einführte. Mit dabei war auch der CDU-Abgeordnete Kai Seefried aus Drochtersen (Landkreis Stade). Er kritisierte: „Budget- und Stellensteuerung müssen zurück an die Berufsbildenden Schulen.“
Die Ausgangslage: 2011 entschied der Landtag einstimmig, aus den Berufsschulen im Land Regionale Kompetenzzentren zu machen. Berufsschulen sollten eigenverantwortliche Schulen in finanzieller, personeller, organisatorischer und inhaltlicher Hinsicht sein, um flexibel auf Veränderungsprozesse in der Wirtschaft zu reagieren und gezielter ausbilden zu können. Nach dem Regierungswechsel im Jahr 2013 stellte das Kultusministerium jedoch eine starke Diskrepanz zwischen offenen Stellen und einer immer weiter sinkenden Unterrichtsversorgung fest - 2008 lag die Versorgung bei rund 91 Prozent, derzeit sind es nur noch 88,6 Prozent.
SPD und Grüne drehten das Rad zurück und nahmen den Berufsschulen mit dem ersten Ferientag 2014 wieder ein Stück weit Eigenständigkeit weg. „Es ist richtig, dass möglichst viel Kompetenz vor Ort gehalten wird, aber es bedarf bei der Stellenbewirtschaftung auch einer zentralen Steuerung und der Kommunikation mit der Verwaltung“, argumentierten SPD-Mann Christoph Bratmann und der Grüne Heiner Scholling. Angesichts des fortschreitenden Fachkräftemangels auch bei den Lehrern sei die Stellenbesetzung eine Frage der Koordinierung. Zudem müsse der Quereinstieg als Berufsschullehrer erleichtert werden.
Die neue Praxis treibt aber manchem Schulleiter Sorgenfalten auf die Stirn. Nur ein Beispiel: Geht ein Lehrer in den Ruhestand, müsste ein Schulleiter in der Regel umgehend nachbesetzen. Hat er aber einen guten Referendar in der Hinterhand, den er unbedingt halten möchte, der die Stelle aber erst im nächsten Jahr antreten könnte, muss er abwägen: sofort neu besetzen und dem Referendar absagen oder die Stelle zurückgeben, um im nächsten Jahr eine Stelle für den Referendar frei zu haben.
Rainer Albers, Leiter der Jobelmann-Schule (BBS 1) in Stade: „Ich muss die Möglichkeit haben, guten Referendaren eine Perspektive zu bieten.“
Seefried dazu: „Es ist ein Irrsinn. Wir brauchen jede Lehrkraft. Die Schulen müssen die Möglichkeit haben, jetzt einzustellen und gleichzeitig eine Garantie besitzen, dass sie Referendare im nächsten Jahr halten können.“ Die Regionalen Kompetenzzentren müssten auf den Pfad zurückgebracht werden, auf den sie 2011 geführt wurden. Andernfalls springen den Berufsschulen immer weiter gute Fachkräfte ab und wechseln z.B. an allgemeinbildende Schulen.
Seefried kritisiert darüber hinaus, dass die rot-grüne Landesregierung plant, im Doppelhaushalt 2017/18 weitere Lehrerstellen zu streichen: „Die Stellen müssen im BBS-System bleiben.“