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Erhöhte Krebsrate: Bürger wollen Aufklärung

Hans Schmidt (2.v.li.) von der Bürgerinitiative für eine umweltverträgliche Industrie plädiert für eine Klärung des Ist-Zustandes (Foto: privat)
bc. Stade. Die Menschen in Stade und Umgebung machen sich Sorgen. Welche Auswirkungen hat die wachsende Industrie auf dem Bützflether Sand und der befürchtete zunehmende Ausstoß von Giftstoffen auf die Bevölkerung? Vor allem im Hinblick auf das geplante neue Kohlekraftwerk auf dem Dow-Gelände, dem zunehmenden Containerschiff-Verkehr auf der Elbe und der umstrittenen Müllverbrennungsanlage, deren Betriebsgenehmigung derzeit beklagt wird (das WOCHENBLATT berichtete).
Mit Interesse hat die Bürgerinitiative (BI) für eine umweltverträgliche Industrie jetzt auf die Entwicklung in der Samtgemeinde Bothel (Landkreis Rotenburg) hingewiesen. Dort hat das Niedersächsische Sozialministerium jüngst zwei Studien in Auftrag gegeben, um die genaue Ursache für eine festgestellte erhöhte Krebsrate zu erkunden. Die Menschen befürchten, dass die Erdgasförderung ein Grund sein könnte.
„In Stade sind solche Studien bisher nicht vorgesehen. Sie werden unverständlicherweise nicht einmal diskutiert“, sagt BI-Mitglied Hans Schmidt. Dabei habe das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen (EKN) bereits im Jahr 2011 in Stade gleichfalls eine überdurchschnittliche Sterblichkeit durch Krebs festgestellt. In der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Petra Tiemann hieß es damals, dass „in der Stadt Stade die Sterblichkeit an Krebs insgesamt signifikant erhöht sei“. In Stade waren in den Jahren 2002 bis 2008 insgesamt 896 Krebssterbefälle aufgetreten - bei 800 erwarteten Fällen. Schmidt: „Die Krebssterblichkeit lag folglich in Stade um zwölf Prozent über dem Durchschnitt.“
Für ihn erscheint es notwendig, die Krebssterblichkeit in Stade auch in den folgenden Jahren zu untersuchen, um so eine steigende oder fallende Tendenz erkennen und - falls möglich - gegensteuern zu können. „Der Rat der Hansestadt müsste meiner Meinung nach an die Landesregierung herantreten. Wir brauchen Aufklärung“, so Schmidt. Es müsse damit gerechnet werden, dass sich die Krebssterblichkeit nach Inbetriebnahme der Müll- und der Kohleverbrennungsanlagen weiter erhöhen werde. Umso wichtiger sei die Kenntnis der derzeitigen Situation.
Das WOCHENBLATT hat bei Petra Tiemann aus Kutenholz nachgefragt, die mittlerweile nicht mehr im Landtag sitzt, trotzdem aber noch über beste Kontakte nach Hannover verfügt. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag will sich nun darum kümmern, ob neue, verlässliche Zahlen vom EKN zu bekommen sind. Zumal das Krebsregister-Gesetz im Laufe der Jahre novelliert worden sei.
Früher bestand die Gefahr, dass es aufgrund der Struktur der Meldewege mit anonymisierten Fragebögen für Patienten und der Diagnostik in der Pathologie der Elbe Kliniken womöglich zu doppelten Meldungen kam. Tiemann: „Die Meldewege sind jetzt strukturierter.“ Sofern der Patient einwillige, seien auch die Wohnorte wesentlich zielgenauer zu bestimmen.