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Erzieherausbildung: "Klasse und Masse" für Kitas

Das Land Niedersachsen will die Ausbildung von Erziehern voranbringen. Auch Quereinsteiger werden gesucht (Foto: Fotolia / Sergey Novikov)
Landesregierung fördert Ausbildung / Was sagen die Praktiker an Berufsschulen dazu?

tk. Landkreis. In Krippen und Kindertagesstätten fehlt Personal. Erzieherinnen und Erzieher sowie Sozialpädagogische Assistenten (SPA) sind Mangelware. Mit dem "Niedersachsen-Plan" will die schwarz-rote Landesregierung gegensteuern. Zum Schuljahr 2018/2019 soll ein Bündel von Maßnahmen greifen. So sollen unter anderem 500 neue Ausbildungsplätze in den sozialpädagogischen Bildungsgängen der Berufsschulen geschaffen und verstärkt die Ausbildung in Teilzeit ermöglicht werden. Zudem wird der Quereinstieg in die pädagogischen Berufe erleichtert. Wie beurteilen Praktiker an Berufsschulen den Plan?, wollte das WOCHENBLATT wissen. Denn dort muss der Nachwuchs schließlich ausgebildet werden.

"Der Knackpunkt ist das Personal", sagt Reiner Albers, Leiter der Jobelmannschule in Stade. Der Markt sei nicht nur bei Erziehern eng, auch diejenigen, die sie unterrichten sollen, seien knapp. "Das Geld ist da, aber die Fachkräfte nicht", meint Albers.

Das Kultusministerium spricht in einer Pressemeldung zum "Niedersachsen-Plan" von "Klasse und Masse". Soll heißen: Niedersachsen sucht deutlich mehr Kräfte, die gut ausgebildet sein müssen. Letzeres sei unabdingbar, so Albers. Denn der Abschluss der Erzieherin sei im europäischen Vergleich mit einem Bachelorabschluss gleichzusetzen. Das sei wichtig, damit deutsche Pädagogen auch im EU-Ausland arbeiten können.
Bei der "Masse" sieht der Schulleiter hingegen Probleme. "Wir brauchen geeignete Schülerinnen und Schüler für die pädagogische Arbeit." Zu viele junge Menschen würden ihre Ausbildung abbrechen. Albers bereitet Sorge, dass psychische Belastungen bei Schülern grundsätzlich zunehmen. Bei der Arbeit mit Menschen, speziell Kindern, sei das mitunter ein großes Hindernis.

Die Teilzeitausbildung von SPAs und Erziehern in Teilzeit, die das Land jetzt voranbringen will, wird an der BBS Buchholz schon seit 2015 angeboten und "ganz stark nachgefragt", sagt Birgit de Buhr, Abteilungsleiterin Pflegeassistenz, Sozialpäd. Assistenz und der Fachschule Sozialpädagogik. Die Klasse ist mit 35 Schülern voll. Auch die Teilzeitausbildung für Erzieher gibt es in Buchholz bereits und auch dort wurde die notwendige Klassenstärke erreicht. An der Stader Jobelmannschule wurde die Teilzeitausbildung dagegen mehrfach angeboten, eine Klasse kam nicht zu Stande.
Genauso wie für Albers ist für Birgit de Buhr das Personal der Dreh- und Angelpunkt, um mehr Nachwuchs auszubilden. "Wir würden uns über zusätzliche Lehrkräfte freuen", sagt de Buhr.

(tk). "Die Herausforderung liegt in der Tat darin, die Fachkräfte für die Ausbildung der angehenden Pädagogen zu finden", sagt Kai Seefried, Generalsekretär der Niedersachsen-CDU. Der CDU-Landtagsabgeordnete aus Drochtersen betont, dass der "Niedersachsen-Plan" nur der erste Schritt sei, um den Personalmangel in Krippen und Kitas zu beheben.
Auf der Agenda vorne stehe die dualisierte Ausbildung, so Kai Seefried. Das heißt: Die angehenden Fachkräfte sollen endlich, wie in Lehrberufen üblich, Geld bekommen. "Es kann nicht sein, dass angehende Erzieher noch Geld mitbringen müssen", sagt Seefried. Andere Bundesländer, etwa Nordrhein-Westfalen, seien da schon weiter. Die CDU-Landtagsfraktion werde dieses Thema am kommenden Dienstag mit Experten diskutieren. Die Kultusministerkonferenz müsse zustimmen, sonst seien Abschlüsse deutschlandweit nicht gleichwertig und gegenseitig anerkannt. "Wir lassen bei dem Thema nicht locker", sagt Kai Seefried. "Das ist der erste Schritt"