Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Este-Anwohner: Das Wasser kommt oft bedrohlich nah

Arno Hagenah hat bereits Maßnahmen ergriffen und Lüftungslöcher in der Hauswand geschlossen sowie eine Flutschutztür eingebaut
 
So sieht es immer wieder bei der 87-jährigen Mutter von Arno Hagenah im Garten aus. Das Wasser steht bis zur Hauswand (Foto: privat)
bc. Estebrügge. Die Politik in Jork ist sich im Grunde einig. Den Anwohnern an der Este muss geholfen werden. Ansonsten saufen sie im wahrsten Sinn des Wortes ab. Das normale Tidehochwasser läuft seit Jahren höher auf, als es noch früher der Fall war. Die Folge: Das Wasser steht beinahe täglich in den Gärten, in einzelnen Fällen sogar regelmäßig bis an die Hauswände heran. Uferkanten brechen ab. Einer der Betroffenen ist Arno Hagenah aus Estebrügge: „Ich wohne hier seit mehr als 60 Jahren. So schlimm wie seit knapp zwei Jahren war es noch nie“, sagt er.
Der Bauausschuss der Gemeinde Jork hat am vergangenen Donnerstag auf Antrag von CDU und FDP ein einstimmiges Votum abgegeben, den Anwohner helfen zu wollen. Die Schließordnung soll künftig so geregelt sein, dass das innere Este-Sperrwerk, das das normale Tidehochwasser reguliert, schon bei einem Pegel von 7,10 Meter geschlossen wird. Derzeit werden die Tore im Winter bei 7,20 Meter geschlossen, im Sommer bei 7,30 Meter. Arno Hagenah: „7,10 Meter ist vertretbar. Andernfalls werden die Grundstücke zu sehr geschädigt.“
Bürgermeister Gerd Hubert soll nun nach dem Willen der Jorker Politik mit den zuständigen Behörden vom Landkreis, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und dem Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg (WSA) Gespräche führen. „Von der Gemeinde kam da bisher zu wenig Unterstützung“, sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Peter Rolker. Und CDU-Fraktionschef Michael Eble weiß zu wissen: „Auch der Landrat Michael Roesberg unterstützt unser Ansinnen.“
Das Thema steht in dieser Woche erneut auch im Umweltausschuss des Kreistages. Schon im Mai 2017 hatte der Fachausschuss die Kreisverwaltung beauftragt, Verhandlungen mit dem NLWKN und dem WSA aufzunehmen, um den Schließrhythmus dementsprechend zu ändern. Passiert ist wenig.
Zum Hintergrund: Das NLWKN ist die zuständige Behörde, das WSA das ausführende Organ. Gegenwärtig ist es so, dass ein Mitarbeiter des WSA jedes Mal aus Stade an die Este fahren muss, um das Sperrwerk händisch zu regeln. Ungefähr 250 mal im Jahr. Würde die Schließpegelhöhe verringert werden, wird sich der Personalaufwand beim WSA weiter erhöhen. Die Jorker CDU schlägt deswegen vor zu prüfen, ob auch eine elektronische Bedienung des Sperrwerks aus Stade möglich wäre.
Offensichtlich scheint eine Änderung der Schließordnung aber auch aus einem anderen Grund kompliziert zu sein. Nach Angaben des NLWKN müsste der Planfeststellungsbeschluss für das Sperrwerk ebenfalls geändert werden. Rolker: „Es werden hohe Hürden ausgebaut.“
Arno Hagenah hält eine Änderung des Beschlusses für nicht notwendig: „In den Jahren davor wurde der Schließpegel auch einfach erhöht, ohne den Planfeststellungsbeschluss zu ändern.“
Er und 16 weitere Este-Anwohner von Buxtehude bis Cranz haben ihre Sorgen schriftlich an die Behörden geschickt. Vom Landkreis hieß es lange Zeit, dass es überhaupt nur wenige betroffene Anwohner geben würde. Das scheint aber offenbar nicht der Fall zu sein.
Arno Hagenah hat bereits selbst Maßnahmen ergriffen, u.a. einige Lüftungslöcher in der Hauwand geschlossen sowie eine Flutschutztür eingebaut. Einen kleinen Schutzwall darf er laut Kreisverwaltung jedoch nicht ohne weiteres auf seinem Grundstück errichten. Der wird nur genehmigt, wenn der dann verringerte Stauraum des Überschwemmungsgebietes an anderer Stelle neu hergestellt wird.

• Weitere Infos auf www.ig-este.de