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Este-Anwohner vermissen Hilfe

Überschwemmte Grundstücke in Estebrügge
 
Arno Hagenah (v.li.), Hildegard von Gilgenheimb, Günter Kölln, und Rainer Podbielski wünschen sich mehr Hilfe von den Behörden Fotos: bc/privat
Überschwemmte Grundstücke: Bürgerinitiative fühlt sich von Experten-Bericht bestätigt

bc. Altes Land. So langsam wissen sie nicht mehr, wie deutlich sie noch werden sollen: die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Este, die sich für hunderte Anwohner des Flusses im Alten Land einsetzen. Viele ihrer Grundstück werden regelmäßig überschwemmt. Schuld ist das ganz normale Tidehochwasser, das seit einiger Zeit aufgrund der gestiegenen Strömung wesentlich höher aufläuft als früher - manchmal fast bis zu einem halben Meter. Dabei gibt es die Möglichkeit, über die Schließordnung des inneren Este-Sperrwerks in Cranz den Wasserstand zu regulieren. "Bei den Behörden laufen wir aber nach wie vor gegen hohe Mauern", sagt IG-Sprecher Rainer Podbielski.
Am Mittwoch lud die IG nun erneut zu einem Pressetermin ein. Ort war Hintzes Café in Jork-Leeswig, direkt an der Este. Auch hier steht der Garten öfter als früher unter Wasser. Bis zu acht Tische kann Gastwirt Thorsten Hintze dann nicht mehr besetzen. Das geht ins Geld, ist geschäftsschädigend. Hintze ist einer von vielen Este-Anrainern, die sich wünschen würden, dass die Behörden ihre Sorgen ernster nehmen.
Das Problem: Wie berichtet, sind gleich drei Behörden involviert. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist die zuständige Behörde, das Wasser- und Schifffahrtsamt Hamburg (WSA) das ausführende Organ. Hinzu kommt noch der Landkreis Stade als Aufsichtsbehörde. "Alle schieben sich den schwarzen Peter zu", so Podbielski. Das sei bürgerfeindlich. Der NLWKN befinde sich gar auf Kriegspfad.
Neu ist nun ein jüngst veröffentlichter Bericht der Technischen Universität (TU) Hamburg-Harburg, der vom WSA in Auftrag gegeben wurde und der die IG-Mitglieder in ihrer Meinung bestärkt. "Dieser Bericht dokumentiert eindeutig, dass das Wasser häufiger höher aufläuft als früher und dadurch Eigentum geschädigt wird", sagt Arno Hagenah, der schon sein Leben lang an der Este wohnt. Bei ihm steht das Wasser regelmäßig an der Hauswand.
Der Bericht macht aber auch deutlich, dass sich die Anzahl der Schließungen des Sperrwerks in Cranz stark erhöhen würde, sofern der Kompromissvorschlag der IG umgesetzt wird. Zur Erklärung: Derzeit werden die Tore im Winter bei einem Pegel von 7,20 Meter geschlossen, im Sommer bei 7,30 Meter. Der Kompromiss der IG lautet 7,10 Meter.
Käme es dazu, müsste laut TU-Bericht das Sperrwerk bis zu 313 Mal im Jahr geschlossen werden. Derzeit wird es im Schnitt 200 Mal im Jahr kurzzeitig - manchmal weniger als eine Stunde - dicht gemacht. Würde also die Schließpegelhöhe verringert werden, wird sich der Personalaufwand beim WSA erhöhen.
Das könne laut IG aber kein Grund sein, nicht das Eigentum der Anwohner zu schützen, selbst wenn die Häuser in einem planmäßigen Überschwemmungsgebiet lägen. "Der Eigentumsschutz ist im Grundgesetz verankert", so Podbielski. Auch die angeblich notwendige Durchführung eines umständigen Planverfahrens, das in Hamburg initiiert werden müsste, um die Schließordnung zu ändern, sei nicht zielführend. Bei früheren Erhöhungen des Schließpegels habe es auch kein Planverfahren gegeben, so Podbielski. Befürchtungen aus Buxtehude, die Barkassenfahrten würden unter häufigeren Schließzeiten leiden, teilt die IG ebenfalls nicht, da die Tore größtenteils geschlossen werden, wenn keine Schiffe fahren.
Podbielski: "Es wäre so einfach, uns zu helfen, aber keiner unternimmt etwas." Dabei habe selbst das WSA bereits offiziell festgestellt, dass die Uferkante in Estebrügge acht Zentimeter tiefer liegt als gedacht.
Arno Hagenah: "Wir in Estebrügge scheinen Bürger zweiter Klasse zu sein. In Buxtehude sollte die im Überschwemmungsgebiet liegende Altstadt durch Bau von Minideichen mit Steuergeld geschützt werden. Am Unterlauf der Este, speziell in Estebrügge, wird den Anwohnern im Überschwemmungsgebiet von allen zuständigen Behörden mitgeteilt, dass man keinen Anspruch auf Schutz hat."