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Gerüchte über schwere Straftaten: Die Buxtehuder AfD schürt Angst

Die AfD zeichnet das Bild einer gefährlichen Stadt, in der sich viele Menschen nicht mehr auf die Straße wagen (Foto: tk)
 
Polizeichef Jan Kurzer betont: "Buxtehude ist eine sichere Stadt" (Foto: Polizei)
tk. Buxtehude. Wenn man dem AfD-Ratsherrn Maik Julitz glaubt, haben Buxtehuder Bürger Angst auf die Straße zu gehen. Sie fürchten, Opfer eines Verbrechens zu werden. In einem Antrag an den Rat spricht er von "brutalen Gewaltdelikten". Eine Analyse der Sicherheitslage und ein behördenübergreifendes Sicherheitskonzept müssen her. Polizeioberrat Jan Kurzer, Chef des Polizeikommissariats Buxtehude, widerspricht - und das mit Nachdruck: "Buxtehude ist eine sichere Stadt." Das, was der AfD-Mann fordere, nämlich eine behördenübergreifende Zusammenarbeit, gebe es schon lange und sei erfolgreich.

Die genauen Zahlen der Kriminalitätsstatistik - auch für die Estestadt - werden Mitte Februar veröffentlicht. "Dann werden wir sehen, dass die Delikte in einigen Bereichen sogar rückläufig sind", sagt Kurzer. "Wir stehen im Vergleich zu anderen Städten und Vorjahren gut da." Die Bürgerinnen und Bürger sollten sich kein "Unsicherheitsgefühl in die Köpfe pflanzen lassen".

Dass die Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaft, städtischen Einrichtungen und Gericht funktioniere, macht Kurzer am Beispiel Bollweg deutlich. Dort hatte eine Jugendgang vor gut zwei Jahren massiv für Unruhe gesorgt. Mit Lagebesprechungen und einer abgestimmten Strategie sei das Problem gelöst worden. Außerdem, so Kurzer, gebe es alle zwei Wochen ein Treffen, bei dem die Situation der Flüchtlinge besprochen werde. "Auch hier gibt es keine Probleme zu vermelden."

Julitz spricht in seinem Antrag von "Gerüchten" über bisher nicht offiziell bekannt gewordene Straftaten in der Stadt." Polizeioberrat Jan Kurzer setzt dem entgegen: "Wenn Straftaten geschehen, müssen sie zur Anzeige gebracht werden." Nur dann könne die Polizei auch erfolgreich ermitteln. Auf "diffuse Gerüchte", gebe er nichts - zumal die Fakten aus der täglichen Arbeit der Buxtehuder Polizei dem entgegenstehen.

Als Beleg für das Unsicherheitsgefühl von Bürgern in Buxtehude und die Notwendigkeit eines Sicherheitskonzeptes führt Julitz einen Überfall vom Oktober auf dem Buxtehuder Bahnhof an. Eine Tätergrupe südländischen Aussehens habe drei Menschen ausgeraubt und so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus mussten. Die Täter seien ermittelt worden, befänden sich aber auf freiem Fuß.

Das WOCHENBLATT hat bei der Polizeiinspektion Stade und der Bundespolizei Bremen, die für den Buxtehuder Bahnhof zuständig ist, nachgefragt: Im Oktober gab es keinen einzigen Vorfall, der auf Julitz Beschreibung passe. Weder Raub noch Körperverletzung seien angezeigt oder anderweitig bekannt geworden.

Das WOCHENBLATT hakt bei Buxtehudes AfD-Fraktionschef Helmut Wiegers nach. Aus mehreren unabhängigen und zuverlässigen Quellen wisse er von dem Vorfall, über den nicht berichtet worden sei, der aber der Polizei bekannt sei. Er bestätigt auch, dass es "Gerüchte über andere Straftaten" gebe. Wiegers stellt aber nach der Nachfrage aufgrund eigener Recherche fest, dass der Überfall nicht im Oktober, sondern am 18. September stattgefunden habe.

Das WOCHENBLATT fragt erneut bei der Polizei nach: Auch dieses Mal findet Stades Polizeisprecher Andre Janz keinen Vorfall, auf den die Beschreibung des Tathergangs zutrifft. Am 18. September gab es auf der Bahnhofstraße eine einfache Körperverletzung, keinen Überfall mit drei Opfern.

Bundespolizeisprecher Holger Jureczko: "Da muss man wohl von alternativen Fakten sprechen." Ein Verbrechen wie von Julitz beschrieben, habe sich laut Bundespolizeisprecher im Oktober in Buchholz ereignet.