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Geschäftsleute vs. Gemeinde: "Das ist doch Mobbing pur"

Derya und Yahya Atli in ihrem Geschäft in Estebrügge Fotos: bc/privat
  bc. Jork. Hier bekommt der Arbeiter frühmorgens vor der Schicht seinen Kaffee, hier kaufen die Dorfbewohner ihre frischen Lebensmittel ein. Vor allem für ältere Menschen ist der kleine Estemarkt im Herzen Estebrügges wichtig, umso mehr, da sich vor Kurzem auch noch der Bäcker aus dem Ort verabschiedet hat. Stichwort kurze Wege. Der Estemarkt ist der letzte verbliebene Lebensmittel-Markt in Estebrügge, Königreich und Cranz. Am Freitagnachmittag beim WOCHENBLATT-Ortstermin brummt das Geschäft. Und trotzdem fühlt sich die Betreiber-Familie Atli nicht willkommen. Wieso ist das so?
Seit gut einem Jahr haben sie Stress mit der Gemeindeverwaltung. Grund ist eine neu eingerichtete Parkverbotszone genau vor dem Ladengeschäft. Der Frust ist mittlerweile so groß, dass Derya und Yahya Atli ernsthaft überlegen, Estebrügge zu verlassen. Ein Angebot aus Bliedersdorf liegt schon vor. „Wenn keine Lösung gefunden wird, schließen wir ab“, sagt Derya Atli sicht- und hörbar genervt.
Darum geht es: Weil der Estemarkt der Freiwilligen Feuerwehr gegenüber liegt, gab es in der Vergangenheit Probleme mit parkenden Fahrzeugen vor dem Laden, wenn die Retter aus dem Gerätehaus fahren wollten und die Kurve nicht bekamen. Die Gemeinde reagierte. Poller vor dem Estemarkt wurden aufgestellt. Absolutes Halteverbot! Negativer Nebeneffekt: Jetzt dürfen auch die Atlis nicht mehr vor ihrem eigenen Geschäft parken, um den Lieferwagen - ein wichtiger Geschäftszweig des Ehepaars ist der Bringservice - be- und entladen zu können.
Weil sie keine andere Möglichkeit sehen, haben sich die Atlis des Öfteren dem Verbot widersetzt. „Wie sollen wir sonst unseren Wagen beladen?“, fragt Derya Atli. Die Folge: Die Gemeinde verteilt fleißig Knöllchen. „Mehrere hundert Euro haben wir schon bezahlt. Die Frau vom Ordnungsamt wartet richtig darauf, dass wir hier parken. Das ist doch Mobbing pur“, klagt die Geschäftsfrau.
Ihren Protest haben die Atlis deutlich im Jorker Rathaus geäußert. Bürgermeister Gerd Hubert schlug einen Kompromiss vor. 15 Minuten sollten die Atlis Zeit zum Be- und Entladen vor ihrem Laden bekommen. „Das ist nicht akzeptabel. Das ist unmöglich zu schaffen. Wir brauchen eine praktikable Sondergenehmigung. Das Be- und Entladen dauert mindestens eine Stunde“, sagt Derya Atli.
Sie macht einen anderen Vorschlag: Das Parkverbot hat Bestand, ausgenommen für sie als Betreiber, und das auch nur montags bis samstags von 6 bis 19 Uhr. Zeiten, in denen sie vor Ort sind, um im Bedarfsfall den Wagen umzuparken.
Bürgermeister Hubert verweist auf die Sicherheit der Bevölkerung: „Das schnelle Ausrücken der Feuerwehr muss gewährleistet sein. Es steht nämlich nicht nur die Familie Atli dort, sondern auch andere Fahrzeuge.“ Zudem gebe es für die Betreiber die Möglichkeit, wenige Meter weiter auf erlaubten Flächen zu parken. Die jetzige Regelung habe er mit der Politik im Verwaltungsausschuss abgestimmt. Hubert zeigt sich dennoch für weitere Gespräche offen.
Die Atlis hoffen darauf, dass sie eine Ausnahmegenehmigung erhalten, mit der sie leben können. Der Gedanke, in Bliedersdorf neu anzufangen, wo seit einigen Wochen ein Ladengeschäft leer steht (wie berichtet), wird andernfalls immer reizvoller. Ein Umzug wäre ein herber Verlust für die Infrastruktur in den Este-Gemeinden.