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Gymnastikräume am Schulzentrum: Jorker Politiker bleiben hart

Mehr als 40 TuS-Sportler löcherten die Politiker im Sportausschuss mit ihren Fragen
 
Unzumutbare Trainingsbedingungen: Teilweise ragen Nägel aus dem Boden
bc. Jork. Die Jorker Festhalle, ein Relikt der Vorkriegsjahre. Hier scheint die Zeit still zu stehen. Das Haus versprüht nostalgischen Charme. Perfekt für Partys, Konzerte und Theateraufführungen. Viele Dörfer beneiden die Jorker um so eine Veranstaltungshalle.

Doch hier trainieren auch knapp 400 Sportler des TuS Jork. Unter Bedingungen, die nur noch die Großeltern-Generation kennt. Der Boden steinhart, Nägel ragen heraus, der Putz bröckelt von der Decke, ständig fällt die Heizung aus, es gibt keine getrennten Toiletten.

Die TuS-Abteilungen Tanzen, Judo und der Gesundheitssport haben in der Festhalle ihre Heimat. TuS-Vorsitzender Rainer Gaffron beklagt: "Die Festhalle als Trainingshalle ist seit Jahrzehnten eine Notlösung." Hinzu kommt, dass die Halle oft aufgrund diverser Veranstaltungen gesperrt ist. Besonders nervig für die TuS-Sportler ist der Dezember. "Die Mitglieder bezahlen ihre Beiträge und erhalten dafür keine Gegenleistung", sagt Gaffron.

Der Ton wird schärfer zwischen Verein auf der einen Seite und Politik und Verwaltung auf der anderen. Sportler und Freunde des TuS haben das Gefühl, die Politik blockiert den Bau von neuen Gymnastikräumen (das WOCHENBLATT berichtete). "Man kann sich auch zu Tode beraten", rief ein TuS-Mitglied in den Raum.

Im Sportausschuss am Donnerstag löcherten mehr als 40 Vereinsmitglieder die Politiker mit Fragen. Sie wollen verstehen, warum bis auf den Bürgerverein alle anderen Parteien die vom TuS bevorzugte gemeindeeigene Fläche hinter der Sporthalle am Schulzentrum als Grundstück für die Gymnastikräume (zwei Räume a 15 x 15 Meter) ablehnen.

Trotz der massiven Präsenz der Sportler bleiben CDU, SPD und Grüne hart. CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Eble verteidigt die Haltung seiner Partei: "Wir blockieren keinen Neubau. Wir haben alternative Grundstücke aufgezeigt. Auch die Schulleitung hat sich klar gegen einen Bau am Schulzentrum ausgesprochen", sagte Eble. Der TuS habe keinen Anspruch auf die Bereitstellung eines Grundstücks. Vorrang habe der Bau einer Sporthalle für die Grundschule am Westerminnerweg.

Sehr enttäuscht zeigten sich die Sportler vom Ratsvorsitzenden Ernst Tilsner (SPD). Er machte wie Eble deutlich, dass seine Fraktion gegen den Bau am Schulzentrum sei. Echte Argumente lieferte er aber nicht. Tilsner: "Die Gemeinde muss Geld in die Hand nehmen und ein anderes Grundstück für den TuS kaufen."

Jens Dammann vom Bürgerverein Jork (BVJ) hält die von SPD, CDU und den Grünen vorgeschlagenen Grundstücke für ungeeignet: "Das eine ist zu weit weg, das andere steht kurzfristig nicht zur Verfügung." Dammann appellierte an die Fraktionen: "Wenn sie diese Grundstücke ins Spiel bringen, müssen sie den Sportlern die Wahrheit sagen, dass sie nicht kurzfristig zur Verfügung stehen." TuS-Mitglied Thomas Cordes dazu: "Es entbehrt angesichts klammer Gemeindekassen jeglicher Logik, dass die Gemeinde Grundstücke ankaufen soll, wenn ein gemeindeeigenes da ist."

Kommt es wider Erwarten doch zum Bau der Räume am Schulzentrum, könnte sich die Gemeinde wohl auf eine Klage vorbereiten. Ein Anwohner betonte im Ausschuss: "Ich werde alles unternehmen, um diese Halle zu verhindern", sagte der Mann. Schon das Beachvolleyball-Feld des TuS am Schulzentrum sei nur unter Auflagen geduldet worden.

Einem TuS-Mädchen platzte der Kragen. Die Jugendliche fragte: "Wie stehen denn wirklich die Chancen, dass wir eine neue Halle bekommen?" Auf eine klare Antwort wartete sie vergebens. Jens Dammann vom Bürgerverein flüchtete sich in Galgenhumor: "Wenn deine Kinder so alt sind wie du, dann könnte es was werden."