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Hass auf Flüchtlinge: Positive Gefühle dagegensetzen

Inge Rollmann, Dr. Dunja Sabra, Birgit Wilhelmy und Achim Wensien beim WOCHENBLATT-Gespräch
Was tun angesichts der wachsenden Wut auf Flüchtlinge? Ein Gespräch mit ehrenamtlichen Helfern

tk. Buxtehude. Die Polizei hat am vergangenen Samstag eine Gruppe von zehn Personen aus der Skinhead-Szene in der Nähe einer Harsefelder Asylbewerberunterkunft gestoppt. Ihnen wurde ein Platzverweis ausgesprochen. Bislang ist das ein Einzelfall. Die Landkreise Stade und Harburg zeichnen sich durch Toleranz, Offenheit und vor allem ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge aus. Aber: Ablehnung, gar Hass, gibt es auch dort und offen oder hinter vorgehaltener Hand werden Ängste und Ablehnung laut. "Wir müssen auch Wutbürger ernst nehmen", sagt Dr. Dunja Sabra.



Das WOCHENBLATT hat mit ihr sowie Inge Rollmann, Birgit Wilhelmy und Achim Wensien von der "Stadtteileltern" aus Buxtehude gesprochen. Alle betreuen Flüchtlinge und die "Stadtteileltern" haben viele Preise für ihre Integrationsprojekte bekommen. "Nur über das Kennenlernen können wir Vorurteile überwinden", sagen alle übereinstimmend. Patentrezepte, auch darin sind sich die Ehrenamtlichen einig, gibt es nicht. "Manches an Vorurteilen macht mich sprachlos und wütend", sagt Birgit Wilhelmy. Sie hat keine Angst vor alleinstehenden, männlichen Flüchtlingen, die - so eines der Klischees - das Leben für Frauen auf Deutschlands Straßen per se gefährlich machen.

Die "Stadtteileltern" sind sich der Tatsache bewusst, dass Menschen, die Asylbewerber pauschal ablehnen, keinen Kontakt zu ihnen suchen. "Daher müssen wir noch viel stärker als Multiplikatoren auftreten", so Inge Rollmann.
Dunja Sabra ist überzeugt, dass sich Hass und Vorteile nur sehr schwer mit Argumenten überwinden lassen. "Wir müssen auf einen emotionalen Weg setzen."
Das, was Deutschland derzeit freiwillig leiste sei etwas, worauf jeder Mensch stolz sein könne. "Wir dürfen zu recht stolz auf Deutschland sein", sagt Dunja Sabra. So könne man vielleicht auch die mitnehmen, die nur Mitläufer bei Pegida und Co. seien. Es gehe vielen, die verhalten Angst oder Wut artikulierten, auch darum, Teil einer Gruppe, eines Ganzen zu sein. "Die müssen wir mit der Botschaft, dass wir alle zusammengehören und eine Einheit sind, erreichen."

Was die Mitglieder der Stadtteileltern angesichts der wachsenden Wut auf Flüchtlinge dennoch ein kleines Stück optimistisch stimmt: Jüngere Deutsche sehen die Dinge wesentlich entspannter. Das hat unter anderem die aktuelle "Shell"-Jugendstudie ergeben (das WOCHENBLATT berichtete). In den Köpfen der jungen Generation spielen manche Vorurteile kaum noch eine Rolle.