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Havarie wird zum Polit-Thema

Elbvertiefungsgegner versammelten sich am Wochenende am Deich (Foto: Walter Rademacher)
bc. Grünendeich. Während in den vergangenen Tagen die Bergungsarbeiten an dem havarierten Container-Riesen „Indian Ocean“, der sechs Tage lang vor Grünendeich im Schlick der Elbe feststeckte, auf Hochtouren liefen, diskutierten sich Anwohner, Schaulustige und Politiker an Land die Köpfe heiß. Das WOCHENBLATT beantwortet einige der am häufigsten gestellten Fragen:

• Warum war die Bergung so schwierig?
Mit jeder Ebbe sackte der Mega-Pott (150.000 Tonnen schwer) weiter in den Schlamm der Elbe ein. Zu vergleichen, wenn sich bei einem Spaziergang an der Nordsee die Gummistiefel bei ablaufendem Wasser im Watt einsaugen. Für den dritten, schließlich erfolgreichen Schleppversuch in der Nacht zu Dienstag wurden größere Offshore-Schlepper angefordert, die mehr Power als die Hafenschlepper (Bugsier) haben.

• Wo kippen die Bagger den freigespülten Schlick wieder ab?
Zwei Bagger verklappten den aufgesaugten Schlamm bei ablaufendem Wasser ungefähr zwei Kilometer flussabwärts der „Indian Ocean“ in der Elbe. Ca. 65.000 Kubikmeter Erdboden haben die Bagger abgetragen.

• Warum flog trotz Flugverbotszone regelmäßig ein Flugzeug über die Unglücksstelle?
Das war ein Ölüberwachungsflugzeug. Dessen Sensoren haben jedoch keinen Schadstoffaustritt auf der Wasseroberfläche festgestellt. Seit Samstagvormittag befand sich ohnehin kein Schweröl mehr an Bord. Rund 2.000 Tonnen hatte das Bunkerschiff „Dresden 2“ abgepumpt.

• Warum fuhr die „Indian Ocean“ nur mit einem Anker?
Ein Schiff dieser Größe hat üblicherweise zwei Anker. Nach Angaben der „Gesellschaft für Natur und Umweltschutz“ (GNU) soll die „Indian Ocean“ aber schon bei der Einfahrt in die Elbe keinen Steuerbord-Anker mehr gehabt haben. „Es widerspricht internationalen Regelungen, dass ein Schiff mit nur einem Anker ohne Auflagen ein Revier befahren darf“, sagt GNU-Sprecher und Kapitän Klaus Schroh. Mit der Havarie hat der fehlende Anker jedoch nichts zu tun.

• Was sagen die Gegner der Elbvertiefung?
Sie befürchten ein größeres Havarie-Risiko durch eine weitere Fahrrinnenanpassung. Bei dem häufigen Begegnungsverkehr müsste die vertiefte Fahrrinne der gesamten Unterelbe eine Mindestbreite von 450 Meter haben - statt der 300 bis 250 Meter ab Glückstadt bzw. Wedel, so Kapitän Klaus Schroh. Die mit der Elbvertiefung geplante Fahrrinnenverbreitung von 20 Metern sei eine „lächerliche Anpassung“. Schroh: „Diese Havarie war ein Hinweis auf den möglichen Worst Case.“ Nämlich dann, wenn sich ein Containerriese querstellt.

• Hat sich die Politik schon zu Wort gemeldet?
Ja. Der Grünen-Kreisverband möchte die Havarie auf die Tagesordnung des nächsten Kreisausschusses setzen. Für die Ökopartei stellt sich die Frage, ob die vorhandenen Katastrophenschutzpläne überarbeitet werden müssten: Was passiere, wenn so ein Schiff auseinanderbricht und größere Mengen Öl in die Elbe gelangen?

• Was kostet die Havarie?
Die Kosten dürften im zweistelligen Millionenbereich liegen. Nicht nur die Schlepper kosten der chinesischen Reederei „CSCL“ viel Geld, auch die Kunden fordern ihre Waren aus den Containern ein.

Der Hype um die "Indian Ocean": Lesen Sie hier.