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Interview mit Christian Lindner: "Die Menschen wollen keinen Staat als Vormund"

Christian Lidner (li.) im Gespräch mit WOCHEBLATT-Geschäfzsführer Christoph Kunst (re.) und Redaktionsleiter Tom Kreib (Foto: wd)
Interview mit FDP-Chef Christian Lindner: Er hat tatsächlich einen Themomix zu Hause

tk. Buxtehude. Nach seinem Wahlkampfauftritt in Buxtehude hat Christian Lindner mit WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Tom Kreib über die Chancen von "Jamaica" und das neue liberale Profil gesprochen.

WOCHENBLATT: Was ist an der FDP im Wahlkampf 2017 anders als beim Wahlkampf 2013?
Christian Lindner: Die FDP hat sich in ihren politischen Inhalten erneuert. Wir stehen für ein Lebensgefühl und nicht für eine bestimmte Berufs- oder Einkommensgruppe. Das sind Menschen, die selbstbestimmt leben wollen, die tolerant sind und Freude an den Ergebnissen ihrer Schaffenskraft haben. Das sind Menschen, die Verantwortung für sich und andere übernehmen. Die deshalb einen Staat wollen, der als Partner Hürden wegräumt und der als Schiedsrichter fungiert, damit es fair zugeht. Diese Menschen wollen aber nicht einen Staat als einen besserwisserischen Vormund oder Aufpasser. Das ist ein klassisch liberales Profil, das wir mit neuem Leben gefüllt haben.

WOCHENBLATT:
In anderen Interviews haben Sie kürzlich gesagt, dass die Bundeskanzlerin die Republik einlullt und die Grünen die Augen vor Problemen verschließen. Erteilen Sie "Jamaica" damit schon vor der Wahl eine Absage?
Lindner: Wir gehen eigenständig in die Wahl. Zur Eigenständigkeit gehört auch, dass man nichts ausschließt, sondern dem Wähler das Urteil überlässt. Wenn man sich die Programme ansieht, ist es aber schon so, dass es mit den Grünen ein Problem gibt, weil sie in der Einwanderungspolitik im Jahr 2015 stehen geblieben sind. Das ist eine große Hürde. Da brauchen wir mehr Ordnung und ich glaube, dass daher eine Zusammenarbeit eher unwahrscheinlich ist.

WOCHENBLATT
: Wolfgang Kubicki und Christian Lindner in Berlin - wenn alles gut läuft. Zwei liberale Alphatiere. Haben Sie sich informell schon geeinigt, wer macht dann was?
Lindner: Erst mal muss uns der Wähler reinwählen und uns eine Rolle zuweisen. Da Wolfgang und ich befreundet sind, seien Sie ohne Sorge: Wir werden uns schon einig. Auch Christian Dürr aus Niedersachsen wechselt nach Berlin und wird eine starke, tragende Rolle spielen. Don't worry - wir kommen alle miteinander sehr gut klar.

WOCHENBLATT
: Wie erklären Sie sich, dass nach einer aktuellen Umfrage 44 Prozent der Deutschen dafür sind, dass die Große Koalition weitermacht?
Lindner: Die Umfragen sind sehr unterschiedlich, was die Koalitionspräferenzen betrifft. Ich wende mich an die anderen - an die, die ungeduldig sind und erkannt haben, dass die große Koalition in den vergangenen Jahren eine Mehrheit hatte, aber keine großen Lösungen präsentiert hat. Im Gegenteil: Sie hinterlässt große Probleme. Denken Sie an die Rentenpolitik, die nicht dauerhaft finanziert ist und zu Lasten der jüngeren Generation geht. Oder an die Zuwanderungspolitik oder die verschlafene Digitalisierung.

WOCHENBLATT
: Angesichts der Thermi-Lindner-Kampagne auf Twitter, die Sie kürzlich als Vertreter des Küchengerätes, präsentierte - haben Sie einen Thermomix zu Hause?
Lindner: Sie legen den Finger in die Wunde. Ich bin ein großer Freund von technischen Gadgets. Daher habe ich meiner Frau und mir gemeinsam einen gekauft. Auf dem Zähler stehen aber erst 20 Mahlzeiten.