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Jork wird für hohe Steuerkraft bestraft

Der Schuldenstand der Gemeinde Jork liegt ca zehn Prozent über dem Landesschnitt (Foto: Repro: MSR)
bc. Jork. Der Jorker Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung am vergangenen Mittwoch den Haushaltsplan 2018 einstimmig verabschiedet. Das Besondere an dem Zahlenwerk: Die Gemeinde muss mit einem Defizit von 1,35 Mio. Euro kalkulieren. Gesamt-Erträgen von ca. 19,1 Mio. Euro steht ein Aufwand von 20,48 Mio. Euro gegenüber. Der Grund: die hohe Steuerkraft der Gemeinde (das WOCHENBLATT berichtete). Wie passt das zusammen? Weil die Gemeinde viele Steuern einnimmt, rutscht ihr Etat ins Minus? „Wir werden für unsere guten Steuereinnahmen bestraft“, sagte CDU-Fraktionschef Michael Eble in der Ratssitzung.
Es sind vor allem die ausbleibenden Schlüsselzuweisungen des Landes von ca. 800.000 Euro und eine höhere Umlage an den Landkreis von 6,6 Mio. Euro (Rekord!), die zu dem Negativ-Ergebnis führen. Auch neue Kita-Plätze kosten die Gemeinde über 200.000 Euro mehr, so Bürgermeister Gerd Hubert.
Formal ist der Haushalt trotzdem ausgeglichen, da die Gemeinde auf eine Überschuss-Rücklage von rund 1,8 Mio. Euro zum Abschluss 2017 zurückgreifen kann. „Das ist gleichzeitig allerdings auch der Schwachpunkt dieses Haushaltes, dass wir die Rücklagen abbauen müssen. Das führt zu einem Kernproblem bei der Investitionsfinanzierung“, erklärt Kämmerer Matthias Riel.
Die Folge: Die Gemeinde muss fast alle Investitionen in diesem Jahr über Kredite finanzieren. Eine Rücklage bleibt nur noch in Höhe zwischen 440.000 und 740.000 Euro verfügbar. Der Kreditbedarf liegt in den Jahren von 2018 bis 2021 bei 4,1 Mio. Euro, die Netto-Neuverschuldung beträgt rund zwei Mio. Euro bis Ende 2021. Der Jorker Schuldenstand liegt laut Riel ca. zehn Prozent über dem Landesschnitt.
Dass der Haushalt überhaupt einstimmig im Rat verabschiedet werden konnte, ist einer interfraktionellen Runde zu verdanken, die sich letztlich auf eine Etat-Version verständigen konnte. In der jüngsten Bauausschuss-Sitzung sah das noch ganz anders aus, als sich alle Ausschuss-Mitglieder ihrer Stimme enthielten und somit den Haushalt ablehnten.
Ein wesentlicher Knackpunkt waren damals die von der Gemeinde über die Jahre eingeplanten zwei Mio. Euro für die Sanierung des Flachdachs am Schulzentrum. Die sind nun erst einmal vom Tisch. Zunächst soll geprüft werden, was wirklich repariert werden muss.
• Mehr über die neue Prioritäten-Liste der Gemeinde Jork im Zuge des demografischen Wandels lesen Sie in Kürze in Ihrem WOCHENBLATT.