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Jugendarbeit in Buxtehude: "Die letzten Mohikaner bekommen 'ne Klatsche"

Das Freizeithaus wird saniert und nicht geschlossen

tk. Buxtehude. Liegt die Jugendarbeit in Buxtehude am Boden, ist das Team heillos zerstritten und wird das Freizeithaus (FZH) dauerhaft geschlossen? Dieser Eindruck drängt sich auf. Zumindest nach der Lektüre der kritischen Berichterstattung in der Buxtehuder Tagespresse. Als "Tiefschlag" empfinden Mitarbeiter aus dem Bereich der Jugendarbeit diese Attacke. Was öffentliche Äußerungen betrifft, sind sie vorsichtig geworden. Das WOCHENBLATT hat mit mehreren Akteuren gesprochen und ihnen Anonymität zugesichert. Kern der Aussagen: Die Jugendarbeit befindet sich in einem notwendigen Umbruch und es gibt vorübergehend personelle Engpässe. Vor allem aber: Kritik kommt von denen, die Jugendarbeit heute so gestalten wollen, wie sie vor 20 Jahren funktioniert hat.

Tatsache ist: Das FZH ist gegenwärtig geschlossen. Der Grund: Teilbereiche des Hauses werden renoviert. Das geschieht nicht, wie sonst bei kleineren Projekten, gemeinsam mit FZH-Besuchern. Das riesige städtische Gebäude soll professionell aufgehübscht werden.
Das Ziel: Das Freizeithaus soll ähnlich wie das FaBiZ (die ehemalige Rotkäppchen-Kita) und das Stieglitzhaus ein Treffpunkt für unterschiedliche Gruppen und Generationen werden. Wenn pro Öffnungsnachmittag nur zwei bis fünf Jugendliche Besucher kämen, müsse dringend über ein anderes und neues Profil nachgedacht werden.
Tatsache ist auch: Der erst vor kurzem eingestellte Streetworker ist schon wieder weg. Er soll noch während der Probezeit seine Kündigung bekommen haben. Der Posten wird wieder ausgeschrieben. In der Tat: Zwei Mal lag die Verwaltung bei Neueinstellungen im Jugendbereich daneben. Die vorübergehende Stadtjugendpflegerin und jetzt der Streetworker sollen beide nicht so erfolgreich gearbeitet haben, wie es an dieser zentralen Position wichtig gewesen wäre.
Weil es keinen Streetworker gibt, ist die Wohnung im ehemaligen Kasernengebiet, ein Treffpunkt für Jugendliche, gekündigt worden. Sie dient jetzt der Unterbringung einer Familie, die Asyl beantragt hat.

Kein Zurück der Neuausrichtung

Richtig ist auch, dass einige Angebote aus der Jugendarbeit, zum Beispiel der Mitternachtssport, gegenwärtig nicht mehr stattfinden. Als Grund nennen Mitarbeiter der Stadt akuten Personalmangel: Drei Vollzeitkräfte sind weg. Zwei sind langfristig erkrankt, einer arbeitet bei der Offenen Ganztagsschule. "Wir sind die letzten Mohikaner", sagt ein Mitarbeiter aus dem Team. Statt Anerkennung, dass überhaupt noch etwas läuft, gibt es jetzt aber die öffentliche Klatsche. Bei Honorarkräften soll es keinen Mangel geben. Genug Jugendliche machen die Ausbildung und erwerben die "Juleica" (die Jugendleitercard).
In der Politik findet die Neuausrichtung der Jugendarbeit Rückhalt. Der vor einigen Jahren angeschobene Prozess sei notwendig und unumkehrbar, so ein Mitglied aus dem Jugendhilfeausschuss. Für manche aus der Politik sind die Vorwürfe über miese Jugendarbeit vor allem eines: Rückzugsgefechte von denen, die die Zukunft der Jugendarbeit in ihrer Vergangenheit sehen.